Attwenger – Clubs

Man möchte es nicht glauben, aber es gibt hierzulande immer noch Menschen, die bei der Erwähnung von Attwenger ganz und gar ungläubig die Stirn runzeln, als habe man sie gerade nach der Bedeutung heptatonischer Leitern und des pythagoreischen Kommas für die konfuzianische Musiktheorie befragt – kurzum, die ziemlich blöd aus der Wäsche schaun und jegliche Kenntnis vermissen lassen. Schande über sie! Und gut deshalb, dass die Herren Binder und Falkner zusammen mit der Trikont einen neuerlichen, gnädigen Anlauf starten, bekannt zu machen, was bekannt sein muss: Attwenger präsentieren mit ‚ Clubs ‚ das endgültige Rundumsorgloskennenundliebenlernpaket zum Sound der beiden Oberösterreicher, die seit 1989 in bewundernswerter Hartnäckigkeit, ausschließlich mit Schlagwerk, Maultrommel und Quetschkommode bewaffnet, durch aller Herren Länder ziehen und aus jedem Klub eine Sauna und aus jedem Liveauftritt ein Happening machen – knapp 700 Konzerte sind es nun bald geworden und mit Simbabwe, Malaysia, Sibirien und den USA tauchen einige Orte und Regionen im Tourkalender auf, die man ihnen nicht unbedingt zugetraut hätte. ‚ Clubs ‚ enthält zunächst einmal einen gut fünfzigminütiges Live-MashUp des Attwengerschen Gesamtschaffens, Ungehörtes, Altbekanntes, Neugemischtes, leidenschaftliche Zuneigungsadressen, Gasteinspielungen von Fred Frith bis zum Alpentrio Laakirchen – wer sie gesehen und gespürt hat, wird Liebgewonnenes unschwer wiedererkennen, alle anderen dürften die Energie, mit der das Duo seit Jahrzehnten von Halle bis Vorzimmer anstandslos alles zum Kochen bekommt, zumindest erahnen, für den endgültigen Kick bleibt ohnehin nur das Lösen eines höchsteigenen Tickets. Auf der DVD kann man dann diejenigen beobachten, die bei den letztjährigen ‚ Fluxgigs ‚ in Deutschland, der Schweiz, Norwegen und Österreich vor Ort waren. Markus Binder hat für den ersten Teil der „Roadmovies“ mit seinem Mobiltelefon eine ganze Reihe unterhaltsamer Filmchen zusammengestrickt, dabei gibt’s keinesfalls nur Bühnenatmosphäre, sondern auch Raststättenphilosophien, Muttertagsausflüge und Autosingsang als Spannungsabbau zu bewundern. In ‚ Ameriga ‚ war die Kleinstkamera auch dabei, der Besuch in Austin, New Orleans und New York gibt einen fein geerdeten Kontrast zum American Way of Life. Attwenger machen – das ist so erstaunlich nicht – weit über den Teich auch nichts anderes als in der Heimat und wirken so manchmal seltsam verloren. Dennoch überwiegt der Spaß – ‚ Indieballermann ‚, Bauchtanz zum Polkapunk und ein Hinterhofkonzert in der Megacity lassen einen öfters herzhaft lachen. Ein paar Clips noch als Zugabe, wer jetzt noch immer nicht angefixt ist, der möge sich für immer trollen.