Arctic Monkeys – AM

Es oll Menschen geben, die haben musikalisch bisher noch gar nichts von den Arctic Monkeys gehört. Glücklicherweise befindet sich diese kleine Gruppe in der Minderheit. Auf der anderen Seite ist es interessant zu hören, wie hier ein Mensch über das eröffnende Stück ‚ Do I Wanna Know? ‚ denkt. Er wird es langweilig finden, antriebslos und schnell wieder das Interesse an dem Stück verlieren. Diese Reihenfolge wird dabei absolut logisch sein, denn es gilt beinhae für das gesamte Werk ‚ AM ‚ der Arctic Monkeys: diese Band aus Sheffield muss man kennen, Ihre Diskographie und Ihre Philosophie eigene Wege zu bestreiten. Und genau deshalb ist ‚ Do I Wanna Know? ‚ für die mehrheitliche Seite der geniale Wegweiser zu den restlichen Stücken der fünften Platte. Auch hatte man bei den Vorgängern ‚ Humbug ‚ und ‚ Suck It And See ‚ schon den deutlichen Eindruck, dass die vier Herrschaften nicht nur geliebt sondern auch endlich ernst genommen werden wollten.

Auf ‚ AM ‚ gelingt es Ihnen nun die verschiedenen Richtungen zu verknüpfen – die muskulösen Riffs aus dem meisterlichen Werk ‚ Humbug ‚ und den wehmütigen Pop aus ‚ Suck It And See ‚. In den neuen Songs verflechten die Arctic Monkeys diese goldenen Zutaten mit einer struppigen Energie und dem Schwerpunkt auf die Falsett-artigen Gesänge, deren Eintritt meist aus dem Hintergrund erfolgt. Derweilen bietet uns ‚ Do I Wanna Know? ‚ die bittersüße Zeile, „There’s this tune that I found/ That makes me think of you somehow/ And I play it on repeat/ Until I fall asleep“, und während dazu die langsamen Gitarren durch die staubtrockenen Lüfte maschieren, platzt plötzlich in einem spielerischen Manöver das enganliegende Korsett und daraus hervor stürmt ein räuberischer Refrain, ein aufregender Weitblick und ein großspuriges Vertrauen in die eigene Überzeugungskraft. Im Jahr 2013 brauchen Alex Turner, Jamie Cook, Nick O’Malley und Matt Helders keine verschnörkelten Melodien um Ihre Genialität zu beweisen.

In der Einfachheit liegt die entfesselnde Kraft und weil die Ausnahmen auch hier die Regel bestätigen, schmeißen uns die vier im zweiten Stück ‚ R U Mine ‚ die schweren psychedelischen Rock-Gitarren-Riffs um den Schädel. ‚ R U Mine ‚ ist dabei ein richtig kleines Biest geworden und schickt uns direkt in die Wüste zu Josh Homme. Dort angekommen empfängt uns der Meister in gewohnt lässiger Manier und lässt im anschließenden Stück ‚ One For The Road ‚ teuflische Untertöne durch die Rhythmen strömen. Man wusste es schon bei ‚ Humbug ‚: die gemeinsame Zusammenarbeit mit Josh Homme war nach ‚ I Bet You Look Good on the Dancefloor ‚ das Beste, was den Arctic Monkeys bisher passieren konnte. Man nenne es eine schicksalshafte Begegnung. Bei ‚ Arabella ‚ hält erneut der minimalistische Faden die volle Aufmerksamkeit, die Melodien schleichen sich bis zur ersten Minute angstvoll in ein klassisches Rockgewand und entdecken auf einmal dort das typische John Cooper Clarke-ähnliche Wunder zwischen Witz und Wortspiel.

‚ I Want It All ‚ kann eigentlich an Coolness nicht überboten werden. Ein stampfender Glam-Rock-Song zu Falsett-Gesängen schüttet uns gegen Ende noch genial kreischende Riffs über den Körper und dann ist eine kurze Pause angesagt. ‚ No. 1 Party Anthem ‚ und ‚ Mad Sounds ‚ gehören zu den obligatorischen Balladen in jedem Album der Arctic Monkeys und während ‚ No. 1 Party Anthem ‚ mit Klavier-Untermalung noch ordentlich überzeugen kann, stellt uns ‚ Mad Sounds ‚ dann zu wässrige Brühe auf den Tisch. ‚ Fireside ‚ ist ein weiterer Höhepunkt auf ‚ AM ‚ und ein wirklich hinterhältiger Ohrwurm, der besonderes im zweiten Teil des Songs die Herzen zahlreich schmelzen lässt. Gleiches gilt auch für ‚ Why’d You Only Call Me When You’re High? ‚, während ‚ Snap Out Of It ‚ die wohl spannendste Veränderung im Sound der Arctic Monkeys sein dürfte. „I get the feeling that I’ve left it too late, but snap out of it“, singt Turner zu unscheinbaren Arrangements, einfachen Rhythmen und gleichmäßig dahintretenden Melodien – die auf den ersten Blick wenig Substanz vermitteln – sich aber in Kombination mit dem Klavier zu einer schwungvollen Rock’n’Roll Nummer erheben. „Never stopped you letting me get hold of the sweet spot by the scruff of your knee socks”, heißt es im folgenden ‚ Knee Socks ‚ und dort erleben wir im Schlussakt neben den Zeilen, „You’ve got your lights on in the afternoon and the nights are drawn out long, and you’re kissing to cut through the gloom with a cough-drop-coloured tongue.“, auch Josh Home, der hier sein ganz eigenes Leid in die Strophen einfließen und einen Moment der Offenbarung aufblitzen lässt. ‚ I Wanna Be Yours ‚ ist am Ende das vorsichtige und eindringliche Funkeln, die suggestive Botschaft Ihrer stilistischen Inspirationen auf ‚ AM ‚ und eine wahrlich belebende Erfahrung. Das fünfte Werk hat sich ebenfalls zu etwas ganz Besonderem entwickelt (auch einem Josh Homme muss man dafür knieend danken) und so haben wir als Hörer für die nächsten Monate genug Zeit, dieses mühelose und zeitlose Krafpaket ausgiebig und in vollen Zügen zu genießen.