Anjimile – Giver Taker

Es ist diese bloße Essenz, die das Debüt von ANJIMILE trägt, und dass Geben und Nehmen Hand in Hand gehen.

Von materiellen Objekten, die herumgereicht werden, bis zum Verlust einer Person, die eine veränderte Sichtweise bietet: Zwischen jeder gezupften Saite und jedem natürlichen Rhythmus liegt die Möglichkeit einer Reise. Die Sekundenbruchteile sind kleine Atemzüge in einem größeren Schema, das sich zu etwas Größerem als seine Teilen summiert. Das Ergebnis heißt „Giver Taker“ und ist das Debüt der in Boston lebenden Anjimile Chithambo. Beruhigend und tiefgreifend sprechen die Texte in „Giver Taker“ von der Göttlichkeit der Verbindung, der Suche nach Selbstverständnis und der Entdeckung der Heiligkeit darin. Anjimile’s ausgeprägter Instinkt für Poesie taucht in dem herzzerreißenden Schlaflied „Not Another Word“ auf, in Versen wie: 

“I came howling after God/ Won’t you set things right/ Mend my mind, untie my knot/ Calm me through the night,” und “To the sky I raise my head/ Won’t you set me straight/ Will I live to shake the dead/ Will I crumble from the weight.” Das Album bietet einen weiteren klugen poetischen Moment mit: “As you rest/ May you find/ Peace of heart/ Peace of mind/ Mine is yours/ Yours is mine/ Or divine/ Or design.” Überhaupt profitiert das gesamte Album von einer kirchenhaften Atmosphäre, die Anjimile’s Vergangenheit als Chorsängerin sowie ihre Liebe zu akustischem, leise gesprochenem Folk widerspiegelt. 

Von den Bläsern und Streichern, die in den Eröffnungsnoten bis zum Ende miteinander verflochten sind, ist der Aufbau von „Giver Taker“ geprägt durch die vorsichtigen Pinselstriche aus Indie-Gitarren und blühenden Hintergründen, die sich von Lied zu Lied schwingen und durch bewusst klare Punkte verankert sind. Angesichts des Kontextes, der hinter den meisten Songs steckt, dass sie geschrieben wurden, während Chithambo wegen Drogen- und Alkoholmissbrauchs behandelt wurde, lassen diese noch spärlicher und verletzlicher wirken. 

„To Meet You There“ besiegelt das Ende dieses Debüts mit einer Flut von Gitarren, engelhaften Hintergrundharmonien und schnellem Tempo und erzeugt das Gefühl, der aufgehenden Sonne entgegen zu eilen. Und eines ist dabei sicher: Auch die baldige Morgendämmerung wird Anjimile gehören.