Anika – Change

CHANGE ist ANIKA’s erstes Soloalbum seit ihrer selbstbetitelten LP von 2010, auf der alle bis auf zwei Songs Coverversionen waren. Auf CHANGE präsentiert uns die in Berlin lebende Sängerin neun Originalsongs.

Die Zeit auf „Change“ vergeht langsam. Die Betonung dieser Songs liegt in der Regel auf Henderson’s kühler, kosmischer Stimme. Sie klingt ähnlich wie Nico. Auf „Critical“ schaukeln Synthesizer wie ein kleines Holzboot. Henderson steuert das Schiff; ihre Stimme ist klar und stoisch, weitläufig in ihrer Fähigkeit, Sehnsuchts- und Einsamkeitsgefühle zu beschwören. Wie ihre beste Arbeit gibt uns dieser Song das Gefühl, mit ihr allein in einem ruhigen und intensiv intimen Raum zu sein. Sie kann einem das Gefühl geben, dass sie dich anstarrt.

Diese Songs gewinnen ihre Kraft aus subtilen strukturellen Schnörkeln. Henderson’s Texte sind wie eine kleine Zitronenschale, die auf ein wirklich schönes Stück Fisch gestreut wird. Wenn sie gut gemacht sind, verbessern sie das Erlebnis, aber nicht besonders auffällig. Der Titeltrack ist herrlich moduliert, krautig und träge. Die Worte sind wie Vignetten; sie durchdringen das Lied wie Lichtstreifen in einem Korallenriff. Die damit verbundene Mehrdeutigkeit kann zuweilen aber auch ein wenig frustrierend sein: Man hofft irgendwie auf etwas Greifbareres, vielleicht eine Beschreibung einer Szenerie, an der sich der Hörer festhalten oder sich sogar eine Kulisse vorstellen kann. 

Aber das zu wünschen würde bedeuten, dass Sie an einen Ort der Bequemlichkeit oder Vertrautheit zurückkehren müssten. Die Kraft der Veränderung entfaltet sich meist in gemächlichem Tempo, so dass das flatternde, perkussive Highlight „Naysayer“ sofort aus einem Meer von lässigen Spaziergängen heraussticht. Hier und in einigen der anderen schönsten Momente des Albums nutzt Anika die Wiederholung brillant, um ihren Zauber zu entfalten und die Spannung zu erhöhen, bevor sie uns mit „Wait for Something“ entlässt, einer wunderschönen Abstraktion von idealistischem 60er-Jahre-Folk.

6.9