Ane Brun – After The Great Storm

AFTER THE GREAT STORM, das gemeinsam mit Martin Hederos und Anton Sundell produziert und mit einer Vielzahl an Kollegen verwirklicht wurde, repräsentiert es die erste neue Musik der skandinavischen ANE BRUN seit dem existenziellen Album When I’m Free aus dem Jahr 2015.

Die norwegische Künstlerin wird diesen Herbst gleich zwei schöne Alben herausbringen. Auf „After The Great Storm“ folgt nächsten Monat „How Beauty Holds The Hands Of Sorrow“ und keiner hätte ahnen können, dass die ab März monatlich veröffentlichten Songs die Ankündigung von nicht einem, sondern zwei neuen Alben sein werden. Brun zog sich in eine Hütte tief in den norwegischen Bergen zurück und genoss einen kreativen Schub, der fast das gesamte Material auf diesen beiden Alben hervorbrachte. “I had a list of topics, ideas and sketches written down,” sagte sie, “and worked my way through them, one by one. And on the day when that last idea on the list became a finished song, I closed the door and knew I had nothing more I needed to say. It was an almost physical feeling. I felt simultaneously empty and fulfilled…”

„After The Great Storm“ ist die optimistischere der beiden Kollektionen. Sie lässt sich musikalisch von einer Vielzahl von Stilen inspirieren, nimmt experimentelle Instrumentalmusik, Barock Arien, Elektronik und Jazz auf und kanalisiert dabei James Blake, Solange und Nina Simone. Musikalisch ist es ehrgeiziger und weiterreichender als alle früheren Platten von Brun. Während Tracks wie „Honey“ und das superglatte „Fingerprints“ wunderbar poliert sind, kann sich ihre Spiegelglasur manchmal etwas zu blendend anfühlen. Sie schreien nach einem Ruck, der diese glatte Oberfläche durchstoßen und uns tiefer bringen kann. Brun’s Stimme tut dies bis zu einem gewissen Grad, findet sich aber manchmal eher schwebend als tauchend wieder.

Ein feines Trio von Songs schneidet jedoch durch das Zentrum von „After The Great Storm“. Da wäre das auf einem druckvollen Drumbeat reitende „Crumbs“, das von einem einfachen Synth-Arpeggio zu einem Track aufbauende „ Take Hold Of Me“ und das letzte Stück „We Need A Mother“, welches sich mit den Krisen der Menschheit auseinandersetzt. Es hat seinen Ursprung in einer Konferenz, an der Brun teilnahm und auf der nach einer Rede über Klimaschutzmaßnahmen eine riesige Show von Feuerwerkskörpern folgte, die Ressourcen verbrennen. „I feel rage,“ singt sie, aber Brun klingt eher müde als wütend. Anstatt zu irgendeinem Höhepunkt zu kommen, endet der Song mit der Frage: “Will we catch the rope at the very last second?” 

Es ist eine zweideutige Frage, hoffnungsvoll, aber auch zweifelhaft, und da das Ende des Albums an dieser Zweideutigkeit hängt, ist es beruhigend zu wissen, dass Ane Brun uns in ein paar Wochen eine weitere Platte bringen wird.

7/10