Albert Hammond Jr – Momentary Masters

Es hätte etwas werden können. Eine Platte über die man sich am Ende des Jahres noch erinnert. Beinahe wäre es auch soweit gekommen, aber leider sind die dafür benötigten Tracks zu selten auf dem neuen Album »Momentary Masters« von Albert Hammond Jr. zu finden. Der Gitarrist und Keyboarder von The Strokes kennt das Geschäft und war nicht nur Teil der Entstehung bei einem des wichtigsten Garage-Rock-Albums des 21. Jahrhunderts, sondern auch Dreh- und Angelpunkt für alles, was die Band jemals veröffentlichte. Ja man kann soweit gehen und sagen, dass so mancher Strokes-Songs alleine durch Hammond seine einzigartige Klasse entfalten konnte.

Um nicht als Abklatsch der Band abgestempelt zu werden, pflegt Hammond einen sicheren Abstand zum erhöhten Bekanntheitsgrad seiner Band. Eine Neufindung ist es deshalb keine geworden, aber doch etwas eigenständiges zwischen muskulösen Bässen und gedämpften Gitarrengefrickel. Es herrscht auf der neuen Platte ein fester Zusammenhang und ist in vielerlei Hinsicht sein persönlichstes Werk geworden. Die erste Single »Born Slippy« ist hell und überschwänglich von außen, doch wird diese von Unterströmungen des Selbstzweifels unterwandert. Ein Song darüber was passiert, „when what has defined you for a long time isn’t there anymore“.

»Caught by My Shadow« ist erstklassige Gitarrenmusik mit bedrohlichen Biss, während »Coming to Getcha« von einer perfekten Gesangsleistung eingeschnürt wird. “I’m so unfit/ Like a pig in shit/ I feel at home at times”, heißt es da weiter in »Crumbs Drunched« und begeistert mit außergewöhnlicher Präsentation. »Touché« oder »Side Boob« glänzen dagegen in lockerer Atmosphäre und dürfen im Universum von Hammond als bedeutene Errungenschaft gefeiert werden. Der Rest wirkt nicht so glücklich, auch hätte man die Tracklist ein wenig anders gestalten müssen, ein »Side Boob« am Ende wirkt sehr deplatziert und sorgt für ein unnötig abruptes Ende.

Aufgenommen wurde »Momentary Masters« in Hammonds eigenem Studio in New York zusammen mit Hammarsing Kharhmar (Mon Khmer, guitar), Mikey Hart (Bleachers, Gitarre), Jordan Brooks (bass) und Jeremy Gustin (Delicate Steve, Marc Ribot, Schlagzeug). Insgesamt ist »Momentary Masters« eine zusammgenwürfelte Sammlung seines Könnens, an dem es nichts auszusetzen gibt, aber mit diesem polierten, fast absichtlich einzigartigen Sound, fehlt dem Album einfach der Charakter. Es ist die Schale eines großen Rock-Albums ohne Persönlichkeit.

7.6