Ada Lea – one hand on the steering wheel the other sewing a garden

Das neue Album von ADA LEA wurde als eine Art Reisebericht über das Aufwachsen in Montréal positioniert. Viele der Texte handeln davon, Orte durch die Fenster von Autos, Bussen und Zügen zu sehen oder um den Block zu gehen und zu beobachten, wie sich das Leben langsam und dann allzu schnell verändert.

Ihr neues Album „one hand on the steering wheel the other sewing a garden“ hätte bei all den anderen absolut angenehmen Veröffentlichungen von Katy Kirby über Tomberlin leicht in den Hintergrund treten können, aber Ada Lea’s feines Ohr für Melodie und Gespür für das Dramatische ist ein Paradebeispiel dafür, wie effektiv diese Art von Musik sein kann, wenn sie so gut gemacht ist. Die Platte handelt nicht unbedingt von Levy’s Nachbarschaft, aber es wird mehrmals direkt und liebevoll darauf verwiesen; auf „can’t stop me from dying“ verharren Ihre Blicke nicht auf der nackten Person, die in ihrem Bett liegt, sondern auf den Kreuzungen aus Straßen und Menschen und den Zufall, der sie dorthin geführt hat – „I’m in love with my neighbourhood.“

Das atemberaubende Eröffnungsstück „Damn“ führt eine neue Ebene des Geschichtenerzählens ein. Levy zeigt eine lebendige Darstellung einer Silvesterparty und der Vielfalt der komplexen Gefühle, die sie hervorrief, und positioniert sich als erschöpfte Beobachterin, die durch Chaos und Orientierungslosigkeit watet. Die Frustration ist greifbar, und obwohl der Song düster ist, ist sein roher Ausdruck berauschend. Das Album bewegt sich zwischen sanften, rockigen Melodien wie „Damn“ oder „Oranges“ und Tracks, die mit Elektronik und Produktion experimentieren. „Can’t Stop Me from Dying“ enthält schrille Auto-Tuned-Gesänge und ein kaltes Synth-Pop-Instrumental, während „My Love for You Is Real“ als ziemlich geradlinige Singer/Songwriter-Kost beginnt, aber bald von gezackten Synth-Arpeggios umhüllt wird.

Das Album ist voller Überraschungen, bei denen eingängige Rhythmen aus schwelgendem Funkeln hervorgehen und treibende Refrains sich in wunderschöne Wirbel verwandeln. Da ist „partner“, das murmelnd dahin wandert, bis eine kaskadierende Gitarrenlinie die müde Party-Erzählung des Songs in fieberhafte Verzweiflung verwandelt. Und „violence“, das zu einem der großartigsten Momente des Albums anschwillt, einer Kollision von knackigen Gitarren und schleppenden Harmonien. Es gibt auch Augenblicke des traurigen Folk, der einen Großteil von „what we say in private“ ausmachte, aber Levy verwendet reduzierte Akustiktracks wie „Saltspring“, um die neue, fast tagebuchartige Qualität zu betonen, die einen Großteil des Albums ausmacht. 

Mit „one hand on the steering wheel the other sewing a garden“ hat Levy ein Album gemacht, das sich sowohl nah als auch fern anfühlt – intim und direkt und auch darauf fixiert, mit einigen altbewährten Werkzeugen etwas Neues zu schaffen. Ein Porträt des Lebens in Montreal zu malen, wird einerseits von Schmerz wie von Hoffnung erzählt und zeigt letztlich auch Levy’s Fähigkeit, ihre Kunst zu entwickeln, ohne die Klangfarben aufzugeben, die ihre Musik zu ihrer eigenen machen.

8.0