A.A. Williams – Forever Blue

Als klassisch ausgebildete Pianistin verbindet sie auf einzigartige und außergewöhnliche Weise Elemente der Post-Rock und Post-Klassik-Musik. Angesichts der Wirkung ihres Debütalbums ist es erstaunlich, dass A. A. Williams erst im April 2019 ihr Bühnendebüt gab. Wenn der Anfangstrack eines Debütalbums den Titel “All I Asked for (Was to End It All)” trägt und das dazugehörige schwarz-weiß animierte Bleistiftskizzenvideo einen toten nackten weiblichen Körper zeigt, über den Käfer gut kriechen, ist das ein kühner Anfang für jedermanns Karriere. Auch wenn Chris Isaak zuerst den Spitznamen Forever Blue erhielt, kann der Begriff absolut auf Williams’ Musik übertragen werden. Ihre eindrucksvolle Stimme, eine Kombination aus Nico, Angel Olsen und der dunkleren Seite von Chrissie Hynde, greift tief in diese acht emotional getriebenen Tracks ein. 

Williams hat das Modell der leisen / lauten Dynamik für sich entdeckt, da die meisten dieser längeren Songs (der Durchschnitt beläuft sich auf fünf Minuten) mit nur gedämpfter Gitarre oder Klavier und Gesang beginnen und dann oft zu straffen Breitbild-Crescendos aufgebaut werden. Sie kehrt oft zu diesem Konzept zurück, aber die Ausführung scheint nie studiert, klischeehaft oder repetitiv zu sein. Textlich ist „Forever Blue“ zweifellos dunkel, aber es gibt einen Kontrast zwischen den Texten und der Musik, der erhebend sein kann. “If only I was someone else / I could have tried to help myself,” lautet die fesselnde erste Zeile des Eröffnungs-Tracks. A .A. Williams hat eine ätherische Stimme – eine, die auf untertriebene und sanfte Weise über Schmerz singt. 

Die vorherige Single „Melt“ bietet bezaubernde Gesänge. Sie singt darüber, belogen zu werden, allein zu sein und sich in dem sechsminütigen Stück damit abzufinden. “I belong on my own / I belong with nothing at all,” sinniert Williams. Es ist ein leidenschaftlicher Track, bei dem das Schlagzeug während des Refrains einsetzt und die dunklen Orchesterklänge stimmungsvoll begleitet. „Melt“ beginnt, wie andere Tracks auf diesem Album, sehr leise und gelassen. Es befasst sich mit dem Selbstwertgefühl und der Akzeptanz der Unabhängigkeit. Mit „Dirt“ entscheidet sich Williams für einen minimalistischen und sentimentalen Sound, der einfach nur wohltuend ist. Ihre Gesänge sind bewegend und emotional, während sie rohe Emotionen vermitteln, die die Ängste und Abhängigkeiten von Liebe und Verlust perfekt zusammenfassen.

Einige Gastsänger erscheinen ebenfalls auf dem Album, um mit Williams zu harmonieren, aber keiner ist so lautstark unterwegs wie Johannes Persson von Cult of Luna, der dem bereits intensiven „Fearless“ ein furchterregendes Dark-Metal-Knurren verleiht. Für dieses Album muss man in der richtigen Stimmung sein, um die herausfordernde Atmosphäre von „Forever Blue“ in sich aufzunehmen. Letztlich fühlt es sich eher wie ihr fünftes Album an als wie ihr erstes. Es ist eine atemberaubende, eindringliche Arbeit, die die Voraussetzung für eine spannende und noch provokantere Karriere schafft.