2:54 – The Other I

Wie Eisköniginnen tanzten die beiden Schwestern Colette und Hannah Thurlow durch die glänzenden Melodien, streichelten mit Ihren kalten Fingern über die glatt polierten Beats und erschuffen epische Songs mit düsterer aber auch erhebender Intensität. Nun sind zwei Jahre vergangen und ‚ The Other I ‚ knüpft erstmal daran an, die Wolken hängen im eröffnenden Stück ‚ Orion ‚ tief, finstere Magie entfaltet sich im folgenden ‚ Blindfold ‚ und ‚ No Better Prize ‚ taucht die Gitarren tief in eine plötzlich verheerend stürmische Atmosphäre. Ein bisschen entfernen sich dabei 2:54 von Ihrem Vorgänger, ziehen die lärmenden Soundkulissen in den Hintergrund und signalisieren Aufhellung zwischen der einstigen emotionalen Unnachgiebigkeit.

Das Songwriting ist erneut äußerst kraftvoll, der Gesang mit der impliziert spirituellen Sehnsucht umso verführerischer. ‚ Sleepwalker ‚ mit seiner Robert Smith (The Cure) Gitarren-Stimmung schleicht in die Gewässer des Gothic ohne dabei zu ertrinken, ‚ Tender Shoots ‚ ist ein wunderschönes kleines Zwischenspiel und das galoppierende ‚ The Monaco ‚ sorgt für eine angenehm positive Aufwertung. Letztlich spürt man deutlich, dass besonders die Songs mit längerer Spielzeit Ihr Potential auf ganzer Linie ausspielen können, während die kürzeren Stücke durch die zu lange Aufwärmzeit verkümmern. Dennoch klingen die beiden Schwestern in ‚ The Other I ‚ wesentlich fokussierter, präsenter und selbstbewusster. Die kleinen Veränderungen gegenüber dem selbst betitetelten Debüt sind fein, aber wirkungsvoll ausgefallen und belohnen am Ende den tatsächlichen Aufwand.