Zwischen düsterer Euphorie und intimem Zweifeln: THE TEMPER TRAP suchen auf SUNGAZER nach einer neuen Balance.
Ein kopfloser Oberkörper, verzerrt unter der dunklen Oberfläche tiefblauen Wassers schwebend, gerahmt von wuchtiger roter Typografie: Das Cover visualisiert meisterhaft jenes Gefühl des Entgleitens und des Ringens nach Orientierung, das die neuen Stücke der Band durchzieht.
Zwischen der Vertrautheit großer Hymnen und der Verführung düsterer elektronischer Texturen vollzieht sich eine merkliche Verschiebung. Auf ihrem Werk bricht das australische Quartett The Temper Trap mit gewohnten Sicherheiten, um sich in schattigere, elektronisch grundierte Gefilde vorzuwagen. Wo einstens unbeschwerte Euphorie den Ton angab, regiert nun ein pulsierender, clubnaher Zug, der von den Berliner Jahren des Frontmanns Dougy Mandagi gezeichnet ist.
Sample-Breakbeats und ineinandergreifende Synthesizer spannen ein dunkleres Netz als das Debüt „Conditions“, während Mandagi’s eindringliches Falsett den rohen Kontrapunkt setzt. Diese Weiterentwicklung schlägt sich unmissverständlich in der Lyrik nieder. Die Songs verhandeln existenzielle Erschütterungen, Trauer und das Schwinden des Glaubens. In „Kuru“ wird das tastende Ausloten dieser inneren Leere greifbar: „Is anyone there? / Can anyone hear me?“
Das Motiv der Isolation und des Suchens prägt die Architektur der gesamten Platte. Selbst wenn helle Beats Tanzbarkeit versprechen, trägt der Unterton schmerzhafte Gewissheit. Die konsequente Zuwendung zu verfremdeten clubkulturellen Einflüssen und gedämpfteren Räumen verschiebt das Koordinatensystem von The Temper Trap spürbar. „Sungazer“ markiert die Entstehung einer reiferen, spürbar raueren Ästhetik, in der das Streben nach dem großen Stadion-Refrain der Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit weicht.
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