Zola Jesus – Okovi

Pop, September 2017
OKOVI ist ein zutiefst beruhigendes Album und eines der reinsten und tiefgründigsten Gesamtwerke von ZOLA JESUS seit Jahren.

Zola Jesus hat ihr fünftes Album vielleicht nach dem slawischen Wort für Fesseln benannt, aber meistens erinnert „Okovi“ daran, dass nicht alle Verbindungen schlecht sind. Nachdem Danilova mit einer Depression gekämpft hatte, die das Schreiben praktisch unmöglich machte, zog sie von Seattle und zurück nach Merrill, Wisconsin, wo sie versuchte, ihr Leben wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Während sie dort war, brachte sie sich wieder auf den richtigen Weg, erkannte aber, dass die Menschen um sie herum auch in ihrem Leben zu kämpfen hatten; Bei einem engen Freund wurde Krebs im Endstadium diagnostiziert, während ein anderer zweimal einen Selbstmordversuch unternahm. Angesichts einer existenziellen Unsicherheit nutzte Danilova ihre Erfahrungen und die ihrer Bekannten, um ihr Songwriting voranzutreiben, und dabei entdeckte sie, dass es keine Antwort auf das Leben gibt, sondern dass es in Ordnung ist, einfach nur „zu sein“. Das Ergebnis ist ein Album, das nicht nur ihr bisher vollständigstes Werk ist, sondern auch einen weiteren Schritt in der Entwicklung ihres Sounds zeigt.

Fast jeder Track hat eine mutierte Komponente: Die clubbigen Beats von „Veka“ fühlen sich vertraut an, bis ein rauschender, apokalyptischer elektronischer Sound in sie kracht. „Ash to Bone“ ist ein dramatischer Fackelgesang, unterbrochen von atonalen Bläserklängen. Jeder Track erinnert daran, wie ein Trauma uns alle zu Monstern macht, aber im Zentrum von allem steht Danilova’s starke, klare Stimme und der Wille, weiterzumachen; der Drang – wie sie in „Witness“ singt – “pull you from the wreckage of your mind.” Die Texte in „Okovi“ wenden sich auch dem Maximalen zu und geben große Themen mit knapper Symbolik wieder. „Soak“ zum Beispiel schafft mit seiner ersten Zeile ein Gefühl der Verpflichtung, und während Worte wie „Soak in Decay / Poil into Loam“ melodramatisch sein mögen, passen sie zum mitreißenden Ton des Albums. Erst wenn Danilova ins Klischee verfällt, wie im Carpe-Diem-Refrain von „Wiseblood“, beginnen diese übertriebenen Gefühle zu abzuschlaffen.

Die ätherischen Streicher, die das Album zieren, tragen zu dem besonderen, heiligen Gefühl von Tracks wie „Half Life“ bei, während Roza’s Stimme kraftvoll genug klingt, um jeden vom Leiden in dem wunderschönen Song „Siphon“ zu befreien, wo ihr vielschichtiger Gesang wie eine Armee von Engeln klingt, wenn sie „Won’t let you bleed out/Can’t let you bleed out“ singt. Es ist schade, dass Danilova ein paar Füller-Tracks in der Mitte des Albums platziert hat, die nicht wirklich das Gleiche erreichen wie die anderen typischeren Zola-Jesus-Songs. Abgesehen davon gibt es auf „Okovi“ mehr als genug qualitativ hochwertige Zola-Jesus-Songs mit erhobenen Fäusten, um die Fans zu begeistern.

7.7