yeule – softscars

ElectronicRock, VÖ: September 2023
SOFTSCARS stellt für YEULE eine neue Richtung dar, da sie sanftere Texturen und körperlose Arrangements erforscht, bei denen ihr ätherischer Gesang im Vordergrund steht.

Das neue Album „softscars“ von yeule untersucht eingehend die Anatomie ihrer lang gehegten emotionalen Wunden für ihr bisher verletzlichstes Werk. Obwohl das Thema schwer und geheimnisvoll ist, strahlt das Projekt ein Gefühl freudiger Katharsis aus. Angetrieben wird es von yeule’s formveränderndem Gesang, der mit all seinen schroffen Kanten und eindringlichen Flüstern souveräner klingt als je zuvor und den unvollkommenen Prozess der Heilung weitergibt. yeule begann als junger Teenager Anfang der 2010er-Jahre mit der Musikproduktion zu experimentieren, nachdem sie im Internet ein Live-Video von Grimes sah und dachte: „This fucking bitch does it all by herself… so I’m gonna try.“ In den letzten Jahren gelang dem nicht-binären Digital Native der Durchbruch mit einigen zukunftsweisenden Elektro-Pop-Alben im Stil von Grimes, Charli XCX und Björk.

Aber auf „softscars“ stürzt sich yeule kopfüber in dieses Ding namens Menschheit und kämpft mit all dem Chaos, das damit einhergeht. Der Titel des Albums verweist trotzig auf alte Selbstverletzungsnarben, die auf yeule’s Körper zurückbleiben, greifbare Erinnerungen an vergangene Traumata und darauf, was nötig war, um sie zu überwinden. Und schließlich wird ein Mantel aus Hall von ihrer Stimme gelüftet und enthüllt eine verblüffend ausdrucksstarke Bandbreite: Sie können gewinnend weinerlich oder wehmütig klingen oder völlig gebrochen im Gesang, der oft von Doppelgängern in der Tonhöhe wiederholt wird. Die Musik – eine Mischung aus digitalem Sound mit elektrischen und akustischen Gitarren und Live-Schlagzeug (oder zumindest live klingendem Schlagzeug) – ergänzt ihren neu entdeckten humanistischen Ansatz beim Songwriting. 

„Glitch Princess“ aus dem Jahr 2022 zerschmetterte Popmusik in eine Million kleine Stücke. Hier hat Nat Ćmiel die Dinge wieder zusammengeklebt, aber die Risse sind immer noch in der Art und Weise sichtbar, wie sie Genre-Überschreitungen verbindet. Die pumpenden Ambient-House-Beats von „inferno“ wecken Erinnerungen an eine zerbrochene Beziehung, in der yeule immer noch bereit ist, alles für ihre Ex zu tun. Wenn „bloodbunny“ ein Film wäre, würde man ihn am besten als eine eklige Romanze beschreiben, und diese eklige Verspieltheit geht in den fieberhaften Elektro-Punk von „cyber meat“ über. Obwohl es nicht immer so einfach anzuhören ist wie die früheren Aufnahmen von yeule, enthält „softscars“ einige ihrer stärksten Songtexte und gewagtesten Sounddesigns und fühlt sich wie der bisher ehrlichste Ausdruck ihrer Vision an.

8.7