Years & Years – Night Call

PopSynth Pop, Januar 2022
Die dritte Veröffentlichung von YEARS & YEARS ist nun ein Soloprojekt von Olly Alexander, nachdem Mikey Goldsworthy und Emre Türkmen als aktive Mitglieder zurückgetreten sind.

„Palo Santo“ aus dem Jahr 2018 zeigte Years & Years in seiner komplexesten Form. Seitdem wurde das Projekt verkleinert – es ist jetzt ein Solo-Projekt von Olly Alexander – und „Night Call“ spiegelt diesen Impuls der Unmittelbarkeit wider. Während die bisherigen Alben der Band vollgepackt waren mit euphorischen, clubtauglichen Hymnen, lehnen sich die Tracks auf „Night Call“ allzu oft an Popmusik-Klischees an. Mit schlanken 11 Tracks wird die sprudelnde Pop-Potenz betont, während sie den lyrischen Wagemut nicht ganz vermeidet, der Years & Years immer zu einer so bereichernden Erfahrung gemacht hat. Natürlich liegt ein Großteil der Anziehungskraft der Platte weiterhin auf Olly’s exquisiter Stimme. 

Die würzige Lyrik von „20 Minutes“ geht in „Strange And Unusual“ über, einem Song, dessen scharfe, glitzernde Kanten sich in einen der direkteren hedonistischen Refrains des Albums verwandeln. „Crave“ ist stark von der frühen Kylie Minogue inspiriert, während die erste Single „Starstruck“ wahrscheinlich der stärkste Moment des Albums ist – doch klingt es, als wäre „Starstruck“ ursprünglich für einen anderen Popstar geschrieben worden. „Sooner or Later“ ist ein großartiger Pop-Ohrwurm, mühelos produziert und harmoniert bestens mit Olly Alexander’s Gesängen. Dynamisch, straff und druckvoll zeigt sich „Night Call“. Es schneidet das Fett weg, um den darunter liegenden Pop-Muskel zum Vorschein zu bringen.

Die ersten 15 Sekunden von „Strange and Unusual“ sind ebenfalls ein absolutes Highlight auf der Platte, die angespannte Atmosphäre gehört zu den besten Produktionen, die man seit langem auf einer Platte gehört hat. Es ist so gut, dass man hier eigentlich das Instrumental des Songs hören möchte und nicht nicht Gesang von Olly. So großartig sein Stimme auch ist, es funktioniert einfach nicht bei einem so starken Instrumental wie diesem. Leider trifft Olly Alexander’s erster Solo-Auftritt als Years & Years nicht ganz ins Schwarze, aber bleibt es doch ein emotionales Hören im besten Sinne.

7.1