Yael Naim & David Donatien – She Was A Boy

FolkPop, VÖ: Februar 2010

Oberflächlich gesehen hatten die erfolglichen Chancen von Yael Naim kein schweres Los getroffen: Ihre Single ‚ New Soul ‚ wurde von Apple-Chef Steve Jobs persönlich als Titelsong für die Launch-Kampagne des MacBook Air ausgewählt und damit erreichte der Song natürlich Millionen Haushalte. Geändert haben dürfte das eine Menge im Leben der Yael Naim, die 1978 als Tochter tunesischer Eltern in Paris geboren und und im Alter von 4 Jahren mit Ihrer Familie nach Israel umgezogen ist. Erst im Jahr 2000 ging die Sängerin in Ihre Geburtsstadt zurück, veröffentlichte ein Jahr später Ihr Debüt und nach einer langen Phase der musikalischen Neuorientierung erschien 2004 das zweite Werk. Nun erwartet uns kommende Woche das dritte Studioalbum ‚ She Was A Boy ‚ und steigt dort ein, womit Naim Ihre größte Stärke und Schwäche zugleich offenlegt:

Ihre Vielschichtigkeit hat Sie durch unzählige Fremd-Projekten erarbeitet und das diese nun gebührend in Szene gebracht werden, ist schlussendlich nur eine logische Konsequenz. Dennoch fehlt dadurch eine klare Linie. Wir hören orientalische Klänge, eine wehmütige Klavier-Ballade, Folk und fröhliche Cabaret-Popsongs. Theoretisch eine ansprechende Mischung, doch in der Praxis erschlägt einem diese Vielfalt, vieles folgt direkt hintereinander und damit wird die Übersichtlichkeit in vielen Fällen komplett genommen. Als weitere Beispiele dienen noch ‚ I Lost The Best Thing ‚, welches im puristischen Licht erstrahlt, oder das bluesige ‚ Never Change ‚. Wohin will der Blick wandern? Es fällt bis zum Ende schwer die eigene Kontrolle darüber nicht zu verlieren. Dennoch darf man die geschriebenen Worte nicht falsch interpretieren, versteht Yael Naim es doch wie kaum eine andere, Ihre Refrains nur dann in Szene zu setzen, wenn es die eigene Lage eben erfordert.

Und so bleibt Ihr drittes Werk ‚ She Was A Boy ‚ trotz den vielen Anstrengungen eine interessante Mischung, dessen Wirkungsgrad sich mehrmals um die eigene Achse dreht und sich dabei in einem Luxusproblem windet. Denn die unüberschaubare Abwechslung ist auf höchstem Niveau vorgetragen und die Songs einzeln herausgenommen, können auf ganzer Linie begeistern.

8.3