Whitney Houston – I Look to You

PopSoul, VÖ: August 2009
Auch wenn I LOOK TO YOU nicht mehr so erfolgreich ist wie früher, ist es schön zu hören, wie WHITNEY HOUSTON an ihrem eigenen Wiederherstellungsplan arbeitet.

Bestimmte Stimmen stehen wie Monumente in der Poplandschaft des 20. Jahrhunderts, prägen die Architektur ihrer Zeit, bewahren die Träume von Millionen und inspirieren die Aufstiegskarrieren unzähliger Nachahmerinnen. Whitney Houston besitzt eine dieser Stimmen. Als sie in Bestform war, konnte nichts mit ihrer gewaltigen, klaren, kühlen Mezzosopranistin mithalten – weder Madonna’s gekonntes Zwitschern, noch Bono’s steinernes Kirchenklagen noch Bruce Springsteen’s klappriges Knurren. Nein, es war Houston, die den femininen, aber sportlichen, von Schwarz inspirierten, aber ehrgeizigen postrassistischen Sound des globalen Crossover-Pops am besten verkörperte.

Dann verfiel Houstons Stimme, wie so manches glorreiche Bauwerk. Drogenmissbrauch und eine schwierige Ehe mit Bobby Brown machten sie zu einem festen Bestandteil der Boulevardpresse. Noch tragischer war, dass ihre Exzesse ihr Instrument zerstörten, das durch Alter und normale Abnutzung ohnehin gefährdet gewesen wäre. Der Schmerz und, ehrlich gesagt, der Ekel, den so viele Popfans während Houston’s Niedergang empfanden, waren nicht so sehr auf ihre persönliche Not zurückzuführen, sondern vielmehr auf ihren scheinbar nachlässigen Umgang mit dem Nationalschatz, der zufällig in ihr ruhte.

„I Look to You“, das Comeback der Sängerin nach fast einem Jahrzehnt der Schande, ist eine kostspielige Renovierung unter der Aufsicht ihres Mentors Clive Davis und inszeniert von den besten Handwerksleuten, die man für Geld kaufen kann, darunter den Produzenten Akon, Stargate und Nate Hills und die Songwriterinnen Diane Warren und Alicia Keys. Klugerweise versuchen diese Kollaborateure nicht, Houston zu hip-hopisieren. Die Beats sind eindringlicher als in der Vergangenheit, aber sie versuchen nicht, Single-Hits zu sein; Die Songs haben eine protzige, erwachsen-zeitgenössische Überlagerung, die unverwechselbar Whitney ist.

„I want you to love me like I never left“, fleht sie in „Like I Never Left“, einem beruhigenden Duett mit Akon. Singt sie für einen Liebhaber oder für ihre Fans? Romantik kommt und geht, Männer können ersetzt werden. Aber Hit-Platten, Pop-Superstars, die Bewunderung von Millionen – das ist die größte Liebe von allen.

7.0