Weezer – Hurley

Rock, Februar 2010

Eine gefühlsmäßige Übereinstimmung kommender Zuneigung steigt in uns auf. Kurz Sympathie genannt. Warum? Wegen dem netten Herrn auf dem Cover. Vielleicht muss noch hinzugefügt werden, dass man es hier mit einem Darsteller aus der erfolgreichen US-amerikanischen Fernsehserie Lost (2004-2010) zu tun hat. Mit richtigen Namen heißt er Jorge Garcia und in der Serie Hurley „Hugo“ Reyes. Er gilt dort als der stets freundliche und hilfsbereite, dem niemand so schnell die Laune verderben kann. Ursprünglich wollte die Band zum vierten Mal ein selbstbetiteltes Album auf den Markt bringen, entschied sich jedoch dagegen, da bereits die meisten Fans es als „Hurley“ Album betitelten. Zudem erklärte Gitarrist Brian Bell irrtümlicherweise, die Aufnahmen wurden nach der Bekleidungsfirma Hurley International benannt und nicht nach dem Charakter aus Lost. Später behauptete Bell jedoch, sich getäuscht zu haben und das Album in der Tat nach dem Lost Charakter betitelt zu haben.

Aber so kompliziert der Vorlauf auch gewesen sein mag, die Songs auf der Platte geben sich schlussendlich nicht viel mit den Letzten auf ‚ Raditude ‚. Und mit dem Cover sollte unter Umständen wohl die stimmliche Lage in den Songs widerspiegelt werden. Das zumindest, haben Weezer problemlos umgesetzt: und der Beweis folgt blitzschnell im Opener ‚ Memories ‚ mit seinen treibenden Riffs, den unkonventionellen Rhythmen und einem Refrain, der nicht gerne alleine gesungen werden mag. Aber das wird auch definitiv nicht passieren. Zum Einen weil das Stück alles mitbringt, was einen klassischen Weezer Song der letzten Jahre ausmacht und zum Anderen, da sich der Rest auf ‚ Hurley ‚ wahrlich nicht schickt, es dem Opener gleich zu tun. Das soll nun keineswegs oberflächlich klingen, denn Tiefgang ist stets erwünscht und muss natürlich nicht so klingen wie ‚ Memories ‚ – aber feuchte Träume wird es auch beim achten Studioalbum nicht geben. Immerhin darf man ‚ Hurley ‚ eine unbestreitbare Tanz-Party-Energie zusprechen, die im Besonderen bei den Liveshows kein Halten mehr kennt.

Weezer polarisieren und wälzen damit auch mit Ihrem aktuellen Werk die verschiedensten Impressionen aus den Köpfen Ihrer Fans. Gelungen ist ebenfalls der zweite Track ‚ Ruling Me ‚ – wenn man die Lyrics am Rande liegen lässt und auch die anfängliche Akustik-Nummer ‚ Unspoken ‚ mit feinen Geigen im Hintergrund, schüttet ordentlich die Emotionen aus unseren Körpern. Aber Weezer wären nicht Sie selbst, täte man auf ‚ Hurley ‚ nicht einiges an weggeschmissener Demenz wiederfinden: ‚ Where’s My Sex? ‚ ist ein ‚ Pinkerton ‚ -artiger Song über…ja über Socken, um genau zu sein. Denn das Wort „Sex“ steht hier einfach an der Stelle der englischen Bezeichnung für Socken „Sox“ und ließt sich wie folgt: „“I can’t go out without my sex/ It’s cold outside and my toes get wet“. Aber ein wenig Verrücktheit schadete Weezer schließlich noch nie.

5.0