Valerie June – Pushin‘ Against a Stone

Americana, VÖ: August 2013
Insgesamt liefert VALERIE JUNE mit PUSHIN‘ AGAINST A STONE ein sensationelles Debüt ab. Es ist nicht unbedingt innovativ, aber in einer Zeit, in der Konformität zu oft das It-Ding ist, bietet es eine wirklich lohnende Alternative.

Auf Valerie June’s erstem Album für ein richtiges Plattenlabel (nach drei früheren Eigenveröffentlichungen) dreht sich alles um ihre Stimme. In einer Ära von Identikit-R&B-„Diven“ hat June die auffallend individuelle Darbietung, die man seit Ewigkeiten nicht mehr gehört hat – eine schrille, durchdringende Intonation, die direkt ins Mark trifft. Bezeichnenderweise verdankt es wenig oder gar nichts den zeitgenössischen R&B-Moralien, sondern gründet sich stattdessen ebenso sehr auf Bluegrass und Gesang aus den Appalachen wie auf Southern Soul, Gospel und Blues. Es ist absolut entwaffnend in seiner Direktheit: Wenn sie „I’ll be someone/If you need someone/To love“ singt, hallen die fast kindliche Einfachheit der Lyrik und das klagende Banjo- und Geigenarrangement in der Aufrichtigkeit einer Performance wider, die völlig beraubt ist von unaufrichtigen Schrägen oder Ironien. 

Sparsames Banjo und Harmonien winden sich auf „Somebody to Love“ wunderbar zusammen, während „The Hour“ und „Wanna Be on Your Mind“ einen dunklen, gefühlvollen Schwung mit Girlgroup-Swagger hinlegen und „Tennessee Time“ Country in einem Duett mit Eric Church verwandelt. Schon damals strotzte der wahnsinnig elektrifizierte Titeltrack und das dröhnende „You Can’t Be Told“ vor Auerbach’s Einfluss gegen das Appalachen-spirituelle „Trials, Troubles, Tribulation“ und das verheerend folgende „Shotgun“. Das Album hat eine einstudierte Lockerheit, die nie gekünstelt ist, und es zeigt eine Ausgeglichenheit und Klarheit der Vision, die ihre früheren Bemühungen kaum vermuten ließen. Das Ergebnis ist eines dieser rekonstituierten Roots-Alben – wie Robert Plant und Alison Krauss’ „Raising Sand“ oder sogar Moby’s „Play“ oder das Debüt der Alabama Shakes – das beruhigend vertraut und gleichzeitig originell klingt.

Der größte Teil des Albums wurde im Studio der Black Keys in Nashville aufgenommen und bevorzugt bluesige Twangs, volkstümliche Geigen und Country-Slide-Gitarren. Manche der Songs stampfen akustisch vorwärts, mal treiben sie träge durch die Luft oder gelieren um punktuelle Memphis-Soul-Rhythmen. Die Platte enthält außerdem eine All-Star-Besetzung von Begleitmusikern, von Booker T. Jones und Jimbo Mathus bis hin zu einigen der besten Session-Spieler Ungarn’s. Dies ist kein einfaches geradliniges Blues-Album, obwohl der Blues einer der wichtigsten Grundsteine ist. Es ist herausfordernd. Es ist anders. Es funktioniert nicht immer. Aber wenn es funktioniert, ist es elektrisierend. Jeder sollte dieses Album hören.

8.0