​U.S. Girls – U.​S. GIRLS on KRAAK

ExperimentalIndie Rock, VÖ: Mai 2012
Meg Remy hat kürzlich U.S. GIRLS bei FatCat untergebracht, also könnte ihre Zukunft noch glänzendere, detailgetreuere Arbeit hervorbringen. Wenn dem so ist, ist dieses Album ein perfekter Ausgangspunkt in diese Richtung.

Wenn vor zehn Jahren Musik veröffentlicht wurde, die als „Lo-Fi“ (d. h. Mikrofonrauschen, viel Clipping) klassifiziert werden konnte, lag das wahrscheinlich an finanziellen Beschränkungen (oder an einer ganz bestimmten Ästhetik). Aber heutzutage sind gute Aufnahmegeräte zu einigermaßen günstigen Preisen leicht erhältlich, zusammen mit der entsprechenden Software, um die Musik einer unsignierten Künstlerin annähernd professionell klingen zu lassen. Wer jetzt jemanden dabei erwischt hat, wie er ein Vierspur-Tonbandgerät benutzt, könnte denken, dass er obsessiv retro ist oder noch nie in seinem Leben einen Computer benutzt hat. Oder aber: Während sich die Qualität der Aufnahmegeräte verbessert hat, steigt auch die Sehnsucht nach einem „Lo-Fi“-Sound unter Musikfans, was zu plötzlichen Wiederbelebungen führt, die Subgenres wie „Glo-Fi“ und „Chillwave“ hervorbringen.

Meg Remy macht mit der Veröffentlichung ihres dritten Albums unter ihrem Projekt U.S. Girls auf einem neuen Label einen weiteren Schritt auf der Lo-Fi-Leiter. Man muss jedoch klarstellen: Ihre Musik ist immer noch definitiv das, was die große Mehrheit der Zuhörerinnen und Zuhörer als „Lo-Fi“ einstufen würde. Jeder Track hat eine Art Rauschen, während Remy’s Stimme danach schmerzt, die Möglichkeiten ihres Aufnahmegeräts zu überschreiten. Zum Glück schadet ihr das nicht zu sehr, und ihre beeindruckende Stimme schafft es immer noch, durchzuscheinen und jede einzelne Ecke zu füllen, wenn sie geschichtet ist oder eine hohe Note trifft. Aber laut Remy ist ihr Lo-Fi-Ansatz eher eine finanzielle Notwendigkeit als eine ästhetische Wahl. „I would love to make a really clear recording“, sagte sie in einem Interview. „It’s my dream!“

Dieser Traum wird auf „U.S. GIRLS on KRAAK“ verwirklicht, das deutlich sauberer und weniger kakophonisch ist als ihre beiden vorherigen Alben. Die erhöhte Klarheit enthüllt einige wahre Pop-Perlen, insbesondere den atemberaubenden „Island Song“, in dem Remy’s ausdrucksstarker Gesang sowohl mitreißend als auch jubelnd klingt und gleichermaßen Gänsehaut und Lächeln hervorruft. Fast ebenso gut sind Tracks mit Einflüssen aus Doo-Wop, Motown, Country und R&B. Remy’s Liebe zu letzterem wird besonders in einer Residents-ähnlichen Überarbeitung von Brandy und Monica’s „The Boy Is Mine“ deutlich. Ein Album, das nur aus solchen Melodien besteht, wäre stark genug, aber was „U.S. GIRLS on KRAAK“ großartig macht, ist, wie Remy Klänge einmischt, die genauso seltsam und eigenwillig sind wie die aus ihren vorherigen Arbeiten.

7.0