Tracey Thorn – Tinsel and Lights

Christmas, VÖ: Oktober 2012
TRACEY THORN vermeidet für ihr Weihnachtsalbum TINSEL & LIGHTS größtenteils gängige Klassiker.

Das Weihnachtsalbum, einst eines der am wenigsten verlockenden Konzepte des Pop, erlebte in den letzten Jahren eine Wiedergeburt, wobei Glasvegas, Low und Sufjan Stevens allesamt festliche LPs beisteuerten. Tracey Thorn’s viertes Solo-Album ist jedoch das Beste von allen, seine spärlichen Songs enthalten einen saisonalen Standard, ausgewählte Coverversionen von Dolly Parton-, White Stripes- und Randy Newman-Songs und mit „Joy“ und dem Titeltrack zwei fabelhafte, selbst geschriebene Songs. Es gibt nur einen kanonischen Weihnachtsfavoriten: „Have Yourself a Merry Little Christmas“.

Sie duettiert sich mit Gartside auf „Taking Down the Tree“ aus Low’s 1999er EP „Christmas“, einer der wenigen erfolgreichen Alt-Rock-Weihnachtsplatten, gerade weil sie herzlich klingt, ohne den Anflug von Ironie. Sie lokalisiert die Emotionen, die unter der Gewölbedecke von Stephin Merrit’s Songwriting lauern. „Like a Snowman“ wurde ursprünglich von einem New Yorker Drag-Cabaret-Duo namens Kiki and Herb aufgeführt, die neue Version von Thorn klingt fein orchestriert, gesegnet mit einer wunderschönen Melodie und ist absolut herzzerreißend. 

Ebenso verleiht der anhaltende Schmerz in Thorn’s Stimme „Tinsel and Lights“ eine ergreifende Tiefe: Ein wenig traurig über die festliche Jahreszeit zu klingen, ist nicht so bizarr, wenn man bedenkt. Der eröffnende Track „Joy“ handelt weniger von Weihnachten als vielmehr von seinem Mythos. Die Protagonistin möchte unbedingt daran glauben, dass sie in diesem Jahr ihr kindliches Staunen über die ganze Angelegenheit wiedererlangen kann; Die Art und Weise, wie Thorn es singt, lässt darauf schließen, dass es sich um eine vergebliche Hoffnung handelt. 

Im Titelstück hingegen blickt eine Figur auf eine vermeintlich perfekte Weihnachtsvergangenheit zurück, mit einer vagen Andeutung, dass diese nicht wirklich perfekt war: „Something almost true was in the air,“, singt sie. Auch wenn nicht jedes Lied rein weihnachtlich ist, fängt Thorn die besonderen Emotionen der Jahreszeit ein und hält dem Vergleich mit allem, was sie gemacht hat, stand.

7.0