TORRES – What an Enormous Room

Indie Rock, VÖ: Januar 2024
Während WHAT AN ENORMOUS ROOM grübelt TORRES über die freudigen Umwälzungen nach, die mit der Ehe einhergehen, zeigt aber auch eine neu verstärkte Verlustangst.

Mit jeder Veröffentlichung hat TORRES, alias Mackenzie Scott, ein neues Maß an Besorgnis und Sehnsucht ausgelöst. Auf ihrem sechsten Studioalbum „What an Enormous Room“ greift sie auf den exzentrischen, stadiontauglichen Rock von „Thirstier“ aus dem Jahr 2021 zurück und setzt auf die Art introspektiver Klagelieder, die ihre frühen Werke charakterisierten. Infolgedessen bietet das Album etwas weniger Hooklines, konzentriert sich aber eher auf Themen wie ängstliche Bindung und persönliches Wachstum. Selbst wenn Angst und Unbehagen in TORRES‘ Welt unter der Oberfläche brodeln, herrscht immer noch das Gefühl, dass die Liebe alles besiegen kann. 

Das selbsterklärende „I Got The Fear“ ist eine akustische Ballade über Panikattacken und wie „the dread doesn’t pay any rent money“, kommt aber zu dem Schluss: „as long as it doesn’t get ahold of my honey, I think I’ll be alright“. Es ist die Art von Lied, die für eine seltsam beruhigende Ballade in einer schlaflosen Nacht sorgt. Musikalisch springt sie, wie bei TORRES üblich, mühelos von Genre zu Genre. „Collect“ ist ein großes, enormes Rachelied, in dem Scott wütend wiederholt: „did I hit a nerve?“ bevor sie „I am the Angel of Death“ verkündet, während unter ihr Klavierakkorde zustechen und sich Gitarren verzerren.

Während sie zwischen den Klängen hin und her rollt, von eher klassischen Indie-Rock-Elementen zu glitchigen Spoken-Word-Momenten abstürzt oder sich in engelhafte Balladen aufschwingt, fühlen auch wir uns in eine emotionale Achterbahnfahrt verwickelt. Die Geschichte und der Ton der Lyrik werden, obwohl sie weitgehend vergraben und manchmal gedämpft sind, in den Klang übersetzt. Da die Künstlerin auch als Produzentin an der Platte beteiligt ist, fühlt es sich an, als würde alles allein von ihrer Hand und Vision geleitet. Aber an manchen Stellen und in den falschen Momenten sind die Feinheiten von „What An Enormous Room“ überwältigend. 

Alles auf dem Album ist so durchdacht, so sauber produziert und so aufwendig gestaltet, dass es zu einer Mauer wird, die es zu durchbrechen gilt. Wenn dies geschafft ist, wird man förmlich von diesem riesigen Raum überwältigt. Wir sehen, wie sich Angst in Wut verwandelt, sich in Freude verwandelt und sich in Frieden verwandelt. „Songbird Forever“ verbindet ätherischen Gesang mit gefühlvollem Klavier und Vogelgezwitscher. Der letzte Titel stellt dar, wie TORRES die Dualität der menschlichen Existenz wieder gut macht; der Schmerz und die Freude am Leben und der Liebe.

7.5