TORRES – Torres

Indie Rock, VÖ: Januar 2013
Mit einer Weltmüdigkeit, die ihr Alter Lügen straft, aber mit einer Authentizität vorgetragen, die verhindert, dass dies jemals ein Problem darstellt, ist das gleichnamige Debüt von TORRES ein vielversprechendes und leidenschaftliches Debüt.

Nicht zu verwechseln mit Chelsea’s spanischem Stürmer, ist TORRES die 22-jährige Mackenzie Scott aus Nashville, die erstaunlich intime Bekenntnisse über Not, Sehnsucht, Eifersucht und Isolation singt. Ihr Debütalbum wurde live auf Band aufgenommen, oft nur mit Stimme und hallender Gitarre, obwohl gelegentlich eine minimalistische Band ihre krassen, aber erhabenen Songs ausfüllt. Erst 22 Jahre alt, ist Scott bereits ein Spuk, ein Gespenst, das durch unser peripheres Sichtfeld schwebt, mit kalten Fingern die Wirbelsäule hinauffährt und uns ins Ohr heult. Ihre Jugend ist jedoch fast unwesentlich, denn ihre Stimme ist zeitlos und ihre Beziehung zu Geburt und Tod fühlt sich irgendwie sowohl unmittelbar als auch objektiv an. 

In „Moon & Back“ hüllt sie sich in Geigen und inszeniert sich als Frau, die sich um das Kind kümmert, das sie zur Adoption freigegeben hat. „Waterfall“ verwendet das Wasserspiel als Möglichkeit, über Selbstmord zu sprechen. Bei beiden scheint es nicht ausschließlich um Scott zu gehen, doch sie werden mit der Qual von jemandem aufgeführt, der beides erlebt hat. Ihr sicherer Umgang mit diesen brisanten Themen reiht sie sofort in die Liga von Künstlerinnen wie PJ Harvey oder EMA ein. Wie sie malt sie in ganzen Handabstrichen, wenn der Moment es erfordert. Ihre Fähigkeit, eine einzige faszinierende Stimmung einzufangen und aufrechtzuerhalten, beschwört den hypnotischen Schmerz der frühesten und besten Songs von Ohia oder Cat Power herauf. 

Ihre Platte ist ein überwältigender Gefühlsrausch, der sich mit halsbrecherischer Unmittelbarkeit verbindet. Alles, was TORRES auf diesem Debüt versucht, ist zumindest gekonnt (oft umwerfend) gut gemacht. Die vielleicht größte Ungerechtigkeit ist, dass Mackenzie Scott so viel Kapazität zum Wachsen besitzt. Ein so früher, unerwarteter Erfolg kann ein so frisches Talent ersticken. Als Kunstwerk ist ihr Debüt offen, ehrlich und schön. Es fehlt jedoch eine Auflösung. Scott hat eine packende Geschichte geschrieben, die sie nicht ganz zu Ende bringt. Doch eines ist sicher: TORRES wird diese beim nächsten Mal fertigstellen – wenn wir sie lassen.

9.0