Tony Allen & Adrian Younge – Tony Allen JID018

Afro PopJazz, VÖ: Juli 2023
Trotz der begrenzten Zeit, die TONY ALLEN auf diesem Planeten hatte, sind seine Beiträge zur Musik zeitlos und unantastbar und werden auch künftige Generationen prägen und inspirieren.

Der nigerianische Musiker Tony Allen war an der Entwicklung des Afrobeat beteiligt und wurde zu einem der einflussreichsten Schlagzeuger seiner Generation. Als er 2020 leider verstarb, hinterließ er ein beeindruckendes Erbe – Brian Eno nannte ihn sogar einen der größten Schlagzeuger aller Zeiten. Kurz vor seinem Tod besuchte Tony Allen das Linear Labs Studio in Los Angeles, ein weltweit bekanntes Analogzentrum. Der Gründer von Jazz Is Dead, Adrian Younge, half bei der Leitung der Sessions, die nun zusammengestellt und anlässlich des 83. Geburtstags des Schlagzeugers veröffentlicht wurden. Beim eröffnenden Track „Ebun“ bauen Gitarren und Hörner auf Allen’s sofort erkennbaren Schlagzeugmustern auf und dehnen und verzerren die Taktarten, wenn sie sich kreuzen. 

Es erinnert sofort an die bahnbrechenden Africa 70-Aufnahmen, bei denen Allen eine treibende Kraft war. Psychedelische Keyboards und Percussion treffen bei „Steady Tremble“ aufeinander, einem heftigen Stampfer, maßgeschneidert für Tanzflächen in allen Teilen der Welt. Ebenso funky ist das kinetische und ausdrucksstarke „Oladipo“. Der zwischen einem angespannten Ruf und einer Antwort zwischen den Hörnern aufgebaute Track ist voller Dramatik, während Allen jedes Element stets im Gleichgewicht hält. Ähnlich wie auf seiner hervorragenden Art Blakey-Tribute-Platte ist Tony Allen ein aufschlussreicher Jazz-Schlagzeuger, wie auf „No Beginning“ zu hören ist, einem Midtempo-Stück, das an der Schnittstelle von Spiritual Jazz und Afrobeat angesiedelt ist und perfekt in den Abschluss des Albums übergeht. 

Mit dem treffenden Titel „No End“ ist es eine ergreifende Nummer, die die ganze Leidenschaft und Präzision der vorherigen Titel vereint und Allen uns erneut anleiten lässt, wie nur er es so mühelos konnte. Die Sessions für „JID018“ wurden vor Allen’s Tod im Jahr 2020 aufgezeichnet, und das Wissen, dass es sich um eine seiner letzten Studioarbeiten handelt, verleiht dem Projekt eine bittersüße Note. Selbst mit diesem traurigen zusätzlichen Kontext ist „JID018“ ein absolut brodelndes Set, bei dem einer der Schöpfer des Afrobeats uns wieder einmal zeigt, wie es geht.

7.7