Tiny Ruins – Olympic Girls

Folk, VÖ: Februar 2019
Die luftige Komplexität des neuen Albums ist nur einer seiner Reize, aber ein entscheidender, zusammen mit HOLLIE FULLBROOK’s ausgesprochen lyrischen Gesangslinien.

Während Tiny Ruins als echtes Soloprojekt der Songwriterin Hollie Fullbrook begann, wurde sein zarter Sound für „Brightly Painted One“ aus dem Jahr 2014 subtil erweitert. Wie dieses Album wurde „Olympic Girls“ mit dem Bassisten Cass Basil, dem Schlagzeuger Alex Freer, dem Multiinstrumentalisten Finn Scholes und dem Produzenten/Gitarristen Tom Healy aufgenommen, aber es bietet deutlich lebhaftere, üppigere Arrangements. Fullbrook’s betörender Gesangston – der in der Folk-Tradition warm und sanft, aber strukturiert ist – steht immer noch im Mittelpunkt jedes Tracks, zusammen mit ihren folkigen Melodien. Doch wird sie nun auf dem eröffnenden Stück von Mellotron, E-Gitarre und schließlich einer durchsetzungsfähigeren Rhythmusgruppe, als noch zu früheren Veröffentlichungen, begleitet. An anderer Stelle nimmt das freier geformte und noch üppigere „One Million Flowers“ eine psychedelische Wendung.

„School of Design“ verwendet eine agile, glockenartige Akustikgitarre, um seine Erzählung zu umrahmen, während Fullbrook über das sorgfältige Kunstwerk sowie seine transportierende, transrationale Kraft nachdenkt. Sie geht durch leere Studios und stöbert in den Versen staubiger Archive. „I was struck by a feeling, it’s hard to describe, the urge burst through the ceiling, stunned, raised glass to the sky.“ Auch der Song changiert zwischen akribischer Vorbereitung und berauschendem Höhepunkt, marschierenden Glockenspielklängen, fernen Perkussionen und grollenden Geräuschandeutungen. Hier wie anderswo ist Fullbrook’s Stimme weich, hell und meist schmucklos. Sie hat eine Art, bei den dramatischsten lyrischen Auszahlungen die Oktave zu erhöhen, wobei ihre hohe, reine Sopranstimme weg von der Sentimentalität in ein vogelähnliches Reich des reinen Tons flattert.

„Bounty“ kehrt die bisherige Dichotomie Freiheit/Gefangenschaft um, da ein Protagonist auf seine unvermeidliche Gefangennahme wartet. Beim nahen „Cold Enough to Climb“ singt Fullbrook in einem trägen, gedehnten Tonfall über einen „smoker pink“ Himmel und eine siebenstündige Autofahrt. In Gedanken ruht sie sich in den Armbeugen eines anderen aus – zumindest für einen Moment schmerzfrei. Manchmal sind diese Lieder wehmütig; In anderen Fällen kämpfen sie gegen Ergebnisse, die so unvermeidlich sind wie der Tod selbst („I saw the grim reaper/And I gave him the slip“). Unterlegt mit Musik, die auf neue Horizonte blickt, ist „Olympic Girls“ eine sanfte Studie über die Unsicherheit der Freiheit. Die Suche kann anstrengend und frustrierend sein, aber hier genießt Tiny Ruins ihre kurze Umarmung.

7.9