Tierra Whack – WORLD WIDE WHACK

HipHop/Rap, VÖ: März 2024
WORLD WIDE WHACK mag eine offene und anspruchsvolle Analyse der Schattenseiten des Ruhms sein, aber es ist auch äußerst unterhaltsam und gelegentlich lustig und etabliert TIERRA WHACK als eine der kreativsten Rapperin.

 Noch bevor es TikTok-Singles gab, beherrschte Tierra Whack bereits die Kunst des Nano-Songs. „Whack World“ erschien 2018 und ist ein ebenso kompaktes wie brillantes Debüt-Mixtape: eine kaleidoskopische Spritztour mit 15 Titeln, bei der jeder Song genau eine Minute dauert – und bemerkenswerterweise sind die meisten Tracks komplette Songs und keine Schnipsel – obwohl sie so schnell vorbeisausen. Es ist faszinierend, aber es wirkt wie eine Vorschau auf eine bahnbrechende Veröffentlichung, die es nie gab. In gewisser Weise hat sich ihre Karriere selbst wie ein Ausschnitt über ein halbes Jahrzehnt abgespielt. Seit der Veröffentlichung ihres ersten Tapes hat Whack sporadisch Musik veröffentlicht und vor drei Jahren neben drei verlockenden, aber kurzen EPs gelegentlich auch neue Songs herausgebracht.

„WORLD WIDE WHACK“ bewegt sich zwischen abstrakter Produktion und intimen Details der Psyche der Künstlerin der letzten Jahre und verleiht Whack’s zuvor etabliertem Sound eine neue Dimension, indem es während seiner gesamten Laufzeit zwischen verschiedenen Genres, lyrischem Fluss und klanglicher Ausschmückung pendelt. Die ersten paar Titel erinnern am meisten an den Sound, den die Künstlerin zuvor auf ihren letzten Veröffentlichungen erforscht hat, was sich in der luftigen Xylophon-Melodie zeigt, die „CHANNEL PIT“ einleitet, und der Ambient-Synthesizer-Begleitung, die den eröffnenden Track des Albums, „MOOD SWINGS“, leitet. 

Doch selbst wenn sie in die Vergangenheit blickt, lässt Whack ihre theatralischen Experimente immer noch in die Höhe schnellen. Herausragend ist „MS BEHAVE“, ein Track, der von schwungvollen, süchtig machenden Beats und plötzlichen Trittfrequenzwechseln dominiert wird. Sie bewohnt jede Klangumgebung auch mit unterschiedlichen Gesangstexturen – ein klebriger, nasaler Spass im kindlichen „IMAGINARY FRIENDS“ und kaum geöffnete Lippen im lethargischen „NUMB“. Alles in allem machen diese Ansätze „WORLD WIDE WHACK“ zu einem perversen Spaß, zu einem verwirrenden Karussell aus Verzweiflung und Aufregung und nicht zu einem linearen Weg zu Sieg oder Misserfolg. 

Verspielt und aufrichtig, reif, aber kindlich, federleicht und gelegentlich schwer – auf dieser souveränen Platte schafft Whack einen Jenga-ähnlichen Balanceakt. Sie spielt immer noch Spiele, aber jetzt tut sie es, um universelle Wahrheiten über den Schmerz zu enthüllen, der mit alltäglicher Glückseligkeit einhergehen kann. „WORLD WIDE WHACK“ ist ihr bisher fesselndstes Rätsel.

8.7