The Vaccines – Pick-Up Full of Pink Carnations

Indie Rock, VÖ: Januar 2024
THE VACCINES mögen in den zwölf Jahren, seit sie mit ihrem zweiten Album Come Of Age die Charts anführten, zu Bannerträgern einer druckvollen Variante britischer Gitarrenmusik geworden sein, aber sie sind ihre Schuld gegenüber den Erzähltraditionen der Folk-Szene nie ganz losgeworden.

Die Zeit von Frontmann Justin Hayward-Young an der Westküste Amerikas spiegelt sich im neuesten Vaccines-Album „Pick-Up Full of Pink Carnations“ wider. Diese zehn Lieder sind voller farbenfroher, sonnendurchfluteter amerikanischer Bilder, während Mark Twain, Edgar Allen Poe und Dennis Wilson alle namentlich erwähnt sind. Auch der Titel des Albums ist eine verschlüsselte Anspielung auf eine Zeile aus dem vielleicht amerikanischsten aller amerikanischen Lieder – Don McLean’s „American Pie“. Es war nie schwer zu verstehen, warum der Frontmann von The Vaccines zu einem der gefragtesten Songwriter-Kollaborateure der nächsten Indie-Generation geworden ist: ein Mann, der sich mit einer perfekten dreiminütigen Popnummer auskennt.

Es überrascht auch nicht, dass das sechste Album ein weiteres Beispiel für die Sensibilität des Sängers ist, eine sofortige Vertrautheit mit dem Tempo der Tracks und seiner wiedererkennbaren Stimme. Die Band als Ganzes ist nach wie vor bestrebt, einen Blick in die Vergangenheit durch eine rosarote Brille zu werfen – sie beherrschen das universelle Gefühl, unsere vergangenen Beziehungen zu untersuchen und sich zu fragen: „Was wäre, wenn?“ Das Album gipfelt in Geschichten melancholischer Romantik („Lunar Eclipse“ und „Another Nightmare“), die an poppigere Cure-Tracks erinnern, und es verwundert nicht, dass es Anklänge an die Debütalbum-Hits „If You Wanna“ und „Post Break-Up Sex“ gibt.

Das Album ist das erste von The Vaccines seit dem Weggang des Gitarristen Freddie Cowan. Jegliche Befürchtungen, dass die Gruppe die ansteckenden, publikumsliebenden Gitarrenriffs verloren haben könnte, für die sie bekannt sind, werden schnell mit dem gitarrenlastigen Eröffnungsstück „Sometimes, I Swear“ zerstreut, einem offenen Eingeständnis der Einsamkeit über unwiderstehlichen Rock’n’Roll-Drums. Diese Platte hat eine attraktive Einfachheit, vielleicht die geradlinigste der Band seit ihrem Debüt. Dies sind eingängige, gefühlvolle Lieder mit Refrains, die einem Football-Gesang würdig sind. Es ist ganz einfach ein Album voller Singles.

7.0