The Picturebooks – Artificial Tears

Alternative RockRock, Dezember 2010

Endlich konnte man es im letzten Jahr in die Welt schreien: Endlich ist es vorbei mit der spröden und langweiligen Indie Rock Musik – gefertigt in Deutschland. The Picturebooks machten dem Elend ein Ende und verbreiteten mit Ihrem Debütalbum ‚ List Of People To Kill ‚ auf dem Label Noisolution, eine unmissverständliche Ansage für blutverspritzte Tanzböden und dreckige Garagen in verwahrlosten Hinterhöfen. Es war die tobende Wut auf ‚ On The Go ‚ und die verdammt eingängigen Riffs in ‚ Machine ‚, die faszinierten und die zügellose Gewalt in Ihrer absoluten Roheit zur Explosion zwangen. Das zweite Werk erscheint nun gerade mal ein Jahr später und hört auf den Namen ‚ Artificial Tears ‚, wieder mit Release auf Noisolution. Den Anfang auf dem zweiten Werk macht ‚ I Put A Spell On You ‚ mit Premiere auf MySpace und nachdenklichen wie klaren Tönen der Band. Es ist ein bedächtiger und nachdenklicher Einstieg, wenngleich die neue Seite durchaus Ihre Reize offenbaren kann.

‚ Twisted Truth/ Misleaded Youth ‚ schreitet wieder auf altbekannten Wegen, treibt Feuer und Regen gleichermaßen vor sich her, überzeugt mit einem kräftigen Biss und rumpelt ohne Rücksicht in den nächsten Track ‚ I’m Drawing Hearts On Your Jeans ‚, welches die Situation aber unglaublich straight in die Hand nimmt, Gitarren lässig mit einem Fuß an der Hauswand stehen lässt und Beats kurz vor der Eskalation stehen. Hypnotisch und verdammt eingängig erweist sich der Track und dürfte insgesamt so manchen unter uns näher an die Musik der Picturebooks bringen. Insgesamt ergründen die Picturebooks wieder eine Fülle neuer Stile und stoßen dabei zugleich auf Ihre größte Stärke: Die Unberechenbarkeit. So gibt es mit ‚ Dance Tiger Dance ‚ zum ersten Mal ruhige Töne, wenngleich von Dingen wie einer Ballade nicht gesprochen werden kann, auf ‚ Sensitive Feelings All Electric ‚ kommen Synthies aus den Siebzigern zum Einsatz und alles zusammen verhilft der gesamten Platte zu einer wohlduftenden Dynamik.

Einer Dynamik die trotz großer Stärken nicht über den leicht abfallenden Endteil von ‚ Artificial Tears ‚ hinwegtäuschen kann. Hier gingen den Picturebooks ein wenig die kreativen Ideen aus und lassen so die hochspannenden Minuten aus der ersten Hälfte schmerzlich vermissen. ‚ Kiss Me Goodbye ‚ schrammelt sich höchst umständlich und verworren durch dröhnende Schluchten und nimmt nach allen überstanden Gefahren in ‚ Finger/ Keepers ‚ wieder an Fahrt auf. Doch die Innovationen fehlen leider und wollen bis zum Schluss nicht mehr in die Songs eingeflochten werden. Trotzdem bleibt es dabei: The Picturebooks bleiben auch mit der zweiten Platte ‚ Artificial Tears ‚ auf einsamen Terrain, lassen sich in keine Schublade stecken und zeigen, dass Musik aus Deutschland doch noch „anders“ sein kann. Das lässt wieder Hoffnungen aufkeimen. Doch stehen wir schlussendlich erst in der Mitte, denn die Picturebooks sprachen damals klare Worte aus: „Drei Jahre, drei Alben – das ist unser Kreativplan den wir einhalten werden.“

7.2