The Naked And Famous – Passive Me • Aggressive You

Indie PopIndie Rock, Dezember 2010

„Yeah yeah yeah yeah“, hörte ich das erste Mal bei VIVA. Dem umgestalteten Musiksender mit dem verzerrenden Dreieck in der Mitte. Die Band The Naked And Famous kannte ich bis dahin bereits vom Namen. Das Quintett stammt aus Neusseeland. Ein Land in das ich auch noch gerne möchte und ein Land in dem die Herrschaften und die Dame von The Naked And Famous aufgewachsen sind. In ihrer Heimat Neuseeland schaffte es die Band mit der Debüt-Single direkt auf Platz 1 der Charts. Und eben diese Single umfasst neben den obenstehenden Worten auch diesen einmaligem Chorus: „The bittersweet between my teeth/ Trying to find the in-betweens/ Fall back in love eventually“. Ja es läuft bei VIVA, doch dieses Mal stehe ich dazu. Dieser Song ist ein Hit und das aus einem guten Grund. Man höre sich nur einmal das schwingende Schlagzeug an, die wilden Desillusionierungen von Sängerin Alisa Xayalith und den träumerischen Synthies. Die Synthies mögen vielleicht mit Ihrer gepolsterten Füllung für so gut wie jeden Song zu viel gewesen sein. Aber bei ‚ Young Blood ‚ stimmt die Essenz, die Emotionalität, die selbstverständlichen Harmonien und am Ende schien mir nur eine Möglichkeit offen zu stehen: nämlich die „Repeat“ Taste drücken.

Doch spulen wir zurück zum Anfang. ‚ All Of This ‚ ist ein ungewöhnlicher Opener und ganz zu Schweigen von der Verwendung „fucking“ in der ersten Minute, „Baby it’s the same late morning/ The same no show/ It’s the same fucking habits/ I guess we don’t know“. Das zweite Stück ‚ Punching In A Dream ‚ ist ein sehr frühes Highlight, dessen manische und wütende Vocals ausschlaggebend für die gesamte Art und Weise von The Naked And Famous sind. Leider darf bereits an dieser Stelle geschrieben werden, die Band verschläft diesen Aspekt in der zweiten Albumhälfte und widmet sich dort einer zunehmenden Verfinsternis. Leider eine schlechte Sache. Aber blicken wir auf das nächste Stück ‚ Frayed ‚ und dessen walzende Gitarren, der Nervenkitzel sitzt in unserem Nacken, während der frenetische und futuristische Punk-Rock sich wie ein Teufelshorn in die Brust bohrt. Nach dem kurzen Zwischenspiel industrieller Keys in ‚ The Source ‚ folgt der nahtlose Übergang zu dem strudelnden ‚ The Sun ‚. Mit ‚ Eyes ‚ haben The Naked And Famous sich eine kleine Panne eingefangen. Die weichgezeichneten Synthies treffen hier auf Beete Davis und scheitern schlussendlich an der eigenen Überforderung.

‚ No Way ‚ ist ein sehr schläfriges Outro, während die nächsten beiden Stücke ‚ Spank ‚ und ‚ A Wolf In Geek ‚ erneut die stilistischen Mittel von Nine Inch Nails und den Chemical Brothers in ungenierter Weise aufgreifen. Doch fehlt es The Naked And Famous ‚ möglicherweise an Reife, um die dringlichen Momente so überzeugend in das glänzende Licht wie Ihre Vorbilder zu rücken. Es wirkt teilweise sehr gezwungen und auch die orchestralischen Zutaten enttäuschen. ‚ Jilted Lovers ‚ stürzt den Hörer kreischend aus seiner Gedankenwelt und öffnet schlussendlich unsere Augen für einen wunderschönen Abschied: ‚ Girls Like You ‚ ist das wahre Outro. Langsam türmt es sich zu einem hymnischen und sehr stimmigen Abschluss mit zweistimmigen Gesang auf. Gegen Ende laufen die Melodien wie von alleine und füllen damit ein episches Werk, dessen Reize verlockend, verträumt, elektrisch und pulsierend auf den Hörer einwirken. ‚ Passive Me, Aggressive You ‚ ist in seiner Gesamtheit ein bisschen naiv und ein bisschen brillant.

8.5