The Mysterines – Reeling

Alternative RockRock, März 2022
REELING bringt THE MYSTERINES fest auf die Landkarte. Es ist vielleicht kein so auffälliges Debüt wie beispielsweise My Love Is Cool von Wolf Alice oder Silence Yourself der Savages, aber es tut, was es tun muss, um die nächste Lieblings-Rockband der Nation zu werden.

Das Debütalbum „Reeling“ von The Mysterines aus Liverpool ist der Sound einer Band, die sich in Reichweite der Sonne durch das Unterholz drängt. „Reeling“ konzentriert sich auf Herzschmerz und die Selbstzerstörung, die es ermöglichen kann, und führt uns durch eine Reihe von Szenarien, die häufig zu emotionalem Schmerz und Trauer führen, tut dies jedoch auf eine trockene und düstere Art, die perfekt zu dem dynamischen und tiefen Sound passt, der durch Lia Metcalfe’s herausragenden Gesang unterstützt wird. Solche Schmerzen sind leicht nachvollziehbar und geben uns eine Stimme und Haltung, an die wir uns klammern können, um unsere eigenen Frustrationen durch kathartische Headbanger zu verarbeiten, die immer noch ein Grinsen aufweisen; wie der schwirrende und fröhliche Opener erklärt: „Life is a bitch but I like it so much“.

Später brennt Sängerin Lia Metcalfe vor emotionalem Aufruhr, als verzerrte Gitarren um sie herum auf „Hung Up“ anschwellen: “My words like bullets through your heart / But I will keep on trying / Cause I like to watch you dying.” Dieser dunkle und intime Charme geht bei der Entstehung dieser Platte nicht verloren. Metcalfe’s selbstbewusste Haltung ist auf Schritt und Tritt zu spüren, wenn sie sich Themen wie Selbstzerstörung und Liebe nähert. Selbst in den langsameren, stimmungsvolleren Momenten behält sie die ganze Intensität und Dramatik bei und steigert diese schweren Tracks noch weiter. Ein Highlight kommt in der grüblerischen Grunge-Ballade von „Dangerous“: „I was ride the fire / I was down on my knees / Before you said that wish / Oh, it’s such a Dangerous Thing“, singt sie.

„The Bad Thing“ wird schneller und schneller, während ein Gefühl der Verzweiflung einsetzt und „Under Your Skin“ glänzt mit einer Klanglandschaft, die in der Luft explodiert und uns einen euphorischen Schauer gegen Ende der kompakten Laufzeit über den Rücken jagt. Eine schwere Instrumentierung, die geschickt mit widerhallenden Melodien verflochten ist, ergibt eine großartige Balance, die „Reeling“ einladend und dennoch reinigend macht. Auch hier ist erhebende Reflexion geboten, wie „All These Things“ mit einem überraschend süßen Ton und einem anschwellenden Refrain beweist, bei dem ein Eingeständnis des Bedauerns verständlich ist. Wenn Metcalfe singt: “I saw the darkness and I knew it well”, ist es leicht, ihr zu glauben. 

„Old Friends / Die Hard“ ist ein prahlerisches Toben, während das düstere „On The Run“ wie ein Hole-Klassiker aus der „Celebrity Skin“-Ära klingt und es schafft, eine tief empfundene Melancholie in seinen schmuddeligen akustischen Akkorden zu beschwören. „Reeling“ ist zweifellos ein solider Schritt auf dem Weg zu einer erfolgreichen Karriere. Die Band demonstriert die Aufregung, die unter der Oberfläche der britischen Rockszene brodelt, und ist jederzeit bereit, ihren dünnen Schleier endgültig zu durchbrechen.

7.9