The Linda Lindas – Growing Up

Indie Rock, April 2022
An klanglicher Innovation wird hier nichts Neues geboten, aber das spielt keine Rolle. THE LINDA LINDAS wissen, was sie sind – energisch, enthusiastisch und saucool – und das Selbstvertrauen, mit dem diese 10 Tracks vorgetragen werden, beweist, dass dies erst der Anfang ist.

Das eröffnende Stück „Oh!“ liefert eine kraftvolle Hommage an die Urmütter der Band und unterstreicht die clevere Balance von „Growing Up“ zwischen Frivolität, Leidenschaft und Können. „Growing Up“ ist das Debütalbum der LA-Teenie-Punks The Linda Lindas, und in ihren Händen sind diese beiden Worte alles andere als ein Klischee. Es kann leicht sein, die Feinheiten des Erwachsenwerdens zu vergessen: Sicher, wir erinnern uns an die persönlichen und existenziellen Fragen und die schmerzhaften oder peinlichen Lektionen, aber erinnern wir uns auch daran, all dem mit Intelligenz, Belastbarkeit und Offenheit begegnet zu sein? All dies auf einem Album zu hören, das von denen gemacht wurde, die tatsächlich mittendrin sind, ist immens wertvoll. 

Bela Salazar, 17, und Lucia de la Garza, 15, der Bassistin Eloise Wong, 14, und der Schlagzeugerin Mila de la Garza, 11 ist ein kraftvolles Debüt gelungen, dass die Tiefen ihrer inneren Welten illustriert. Dieses Album wurde mitten in der Pandemie geschrieben, als Schulen geschlossen und Familienmitglieder weit weg waren; all die Einsamkeit und Verwirrung der Jugend verstärkten sich. „Why“ ist ein herzzerreißender Ausbruch von Frustration von Wong, während „Cuántas Veces“ eine spanischsprachige Reise von der Desillusionierung zur Selbstakzeptanz von Salazar ist. In „Talking To Myself“ gibt Mila einen über ihre Jahre hinausweisen Einblick: “How life just keeps on giving / Despite all my bad decisions / I’m still here and I’m still living”.

Unterdessen repräsentieren die sozialen Proteste zu „Racist, Sexist Boy“ und „Fine“ eine Generation von Jugendlichen, die sich ihrer Macht bewusster denn je ist und diese mehr einzusetzen weiß, als jede andere vor ihnen. In jedem Moment ihres unerschrockenen sozial stark ausgeprägten Verantwortungsgefühl lassen uns The Linda Lindas in die schwelende Glut jugendlicher Verheißungen eintauchen – die wir alle mal hatten oder haben – bevor das Gewicht der Welt schließlich unseren Geist erdrückt. So weit ihre Anziehungskraft auch sein mag, ihre Augen sind weiter geöffnet. Das Debüt erinnert an gemeinsame Erfahrungen und hebt Gleichgültigkeit hervor, was die Realität kennzeichnet, sowohl jung als auch zielstrebig zu sein.

7.9