The Libertines – Up The Bracket

Classic AlbumsIndie Rock, Dezember 2002

Nach den großartigen Debütalbum von Interpol und den Walkmen´s in diesem Jahr, bescheren uns die Libertines nun in der kühlen Herbstzeit ein weiteres Highlight. Nachdem die Strokes und die White Stripes in den USA, die Hives in Schweden und die Datsuns in Neuseeland für das Garage-Rock Revival gesorgt haben, beginnt es mit den Libertines nun auch auf der britischen Insel. Verhältnismäßig spät könnte man anmerken, aber die zusätzliche Zeit hat sich für die vier Engländer rund um Pete Doherty mehr als ausgezahlt. So entstand mit ‚ Up the Bracket ‚ eine sehr erfrischende Platte, die auch nach der Produktion Ihren unpolierten Charme behalten konnte. Der Name leitet sich von dem britischen Komiker Tony Hancock ab, der in „Hanncock´s half Hour“ den Titel in einem Slangs verwendete, im Sinne eines Schlages in die Kehle. Ebenso kommt er im Eröffnungstrack von ‚ Vertigo ‚ vor, mit dieser Geste drückt Pete Doherty seine Leidenschaft als Fan zu Hancock aus.

In der Sonstruktur tut dies aber keinen Abbruch zum Rest der 13 Songs, alle haben diese unwiderstehliche Art vollgepackter Gitarren, holpernder, abrupt aufhörender Melodien und einem sehr ausdrucksstarken Gary Powell am Schlagzeug. ‚ Death On The Stairs ‚ und ‚ Boys In The Wand ‚ vereinen diese Eigenschaften auf wunderbar bizarre Art und Weiße, ständige Tempowechsel gepaart mit Garage-Punkrock und jungfräulich britischen Melodien beweisen eine ungeheuere Reife innerhalb einer total verrückten Songstruktur. Diese wiederum kann man wohl nur auf dem Papier wieder finden. In der Praxis schmeißen dann Songs wie ‚ Horroshow ‚ oder ‚ Tell The King ‚ alle Theorien mit dem Kopf voraus über Bord. Der große Ideenreichtum scheint manchmal auch direkt während den einzelnen Songs entstanden zu sein, derart viel an unerwartenden kommt auf den Hörer zu, dass es manchmal schwer fällt dem Ganzen folgen zu können. Mehr als vier Jahrzehnte scheinen die Libertines hier zu verarbeiten und auf sehr unterhaltsame Weiße wird die britische Geschichte neu aufgerollt. Ein weitere Reiz dieser Songs ist das Duo Doherty und Carl Barât.

Zusammen singen sie beide die gleichen Texte doch selten treffen Ihre Stimmen die selben Textzeilen, wie ein betrunkener Kirchenchor trifft einer der beiden meist zu spät seinen Einsatz, zieht seinen Part aber dennoch liebenswert sturköpfig bis zum Ende durch. In ‚ The God Old Days ‚ werden poppige Melodien mit kriegerischen Refrains gemischt die sich dann wie folgt anhören:“It´s not about tenements and needles and all the evils in their eyes and the backs of their minds“. Auch wenn ‚ Up The Bracket ‚ mit seinen 36 Minuten ein wenig kurz geraten ist, reicht es dennoch für einen fulminanten Auftritt der Libertines. Wenn man nun etwas Negatives sagen müsste, würde es einem sehr schwer fallen. Das einzigste über Ihre schwachen Tracks bleibt zu sagen, dass Sie wirklich solide und eingängig geworden sind. Ansonsten lauert unbeschreiblicher Ideenreichtum auf den Hörer und wird für eine glückselige Stimmung sorgen, wenn mit ‚ What A Waster ‚ der letzte Song über die Bühne gegangen ist.

Ohne Neid muss man anerkennen das die Platte des Jahres 2002, an die Libertines gehen wird. Denn der Name steht für erfrischend neues, unverbraucht und unterhaltsam verzaubern die Engländer mit Ihrem Charme die Hörer und niemand, wirklich niemand, sollte sich ‚ Up The Bracket ‚ entgehen lassen. prior

9.6