The Lemon Twigs – A Dream Is All We Know

Indie Rock, VÖ: Mai 2024
Die Grenze zwischen Parodie und Pastiche kann schmal sein. Fragen wir einfach THE LEMON TWIGS, das geistige Kind der Brüder Brian und Michael D’Addario.

Anfangs wurden The Lemon Twigs aus Hicksville, NY, von einigen als Vorboten eines weiteren Glam-Rock-Revivals angesehen, doch im Mittelpunkt standen das brüderliche Duo der ehemaligen Kinderschauspieler Brian und Michael D’Addario, doch sie entpuppten sich als etwas subtil Anderes: schamlos nostalgische Anbieter von sonnendurchflutetem AM-Radio-Pop der 70er Jahre, mit einer herrlich klebrigen, eiscremigen Produktion und einer meilenweiten sentimentalen, philanthropischen Ader. Ihr fünftes Album „A Dream Is All We Know“ enthält Spuren von Todd Rundgren, Squeeze, Ben Folds und vor allem den Beach Boys.

Irgendwie schaffen sie es, so zu tun, als ob all dies noch nie zuvor aufgenommen worden wäre – und darin liegt ein Großteil ihrer Anziehungskraft. Mit 25 bzw. 27 Jahren zeichnen sich Michael und Brian noch immer durch eine liebenswerte Naivität aus, die jeden Vorwurf mangelnder Originalität überwindet. „The album’s aiming for something timeless,” sagte Michael kürzlich zu Mojo, und es ist beeindruckend, wie oft diese Platte diesem Anspruch gerecht wird. „Golden Years“ klingt wie das Innere von Ray Davies‘ Kopf, als die Inspiration um 1968 aufblühte, während das von Sean Ono und Lennon koproduzierte „In the Eyes of the Girl“ mit zusammengekniffenen Augen ein verlorener Song von „Pet Sounds“ sein könnte.

„A Dream Is All I Know“ bringt grinsende Wah-Wah-Gitarren und die Leichtigkeit des Softrocks der 70er, „If You and I Are Not Wise“ stellt die Byrds dem Teenage Fanclub vor, „Ember Days“ flirtet mit einer Free-Design-Version von Bossa Nova und auch einige Phasen der Beach Boys werden angesprochen. Die Abwechslung sorgt für Spaß, selbst wenn „How Can I Love Her More?“ gefährlich nah an etwas von Wild Honey heranreicht. Am besten ist jedoch das akustische „I Should’ve Known Right From the Start“, das sich in eine magische – und völlig einzigartige – Ansammlung funkelnder Perkussion verwandelt.

Während ihre ersten Platten für die musikalische Kompetenz gelobt wurden, die sie zeigten, haben die letzten Alben der Brüder ihre Ideen klarer und emotionaler vermittelt. Mit anderen Worten: „It took too long to say ‘rock on.“

7.0