The Japanese House – In The End It Always Does

Indie Rock, VÖ: Juli 2023
Wenn es eine Sache gibt, die das zweite Album von THE JAPANESE HOUSE noch einmal bekräftigt, dann ist es, dass die Künstlerin sich dem Prozess nie weniger als ihr ganzes Selbst hingibt.

Während ihr Debütalbum „Good at Falling“ aus dem Jahr 2019 den turbulenten Bogen einer Liebesaffäre nachzeichnete, bietet „In the End It Always Does“ eher verstreute, tagebuchartige Meditationen darüber, wie sich die Identität verschiebt und driftet, wenn romantische Beziehungen in Freundschaften oder Trennungen münden. Sie hat einen Titel – „One for Sorrow Two For Joni Jones“ mit Katie Gavin von MUNA – als „a sort of ode to that feeling when Emma Thompson stands there and cries when she’s holding the CD in Love Actually“ beschrieben. Doch der zarte Impressionismus von Bain’s Texten ist weit von der Hammer-Sentimentalität dieses Films entfernt. Über dem Klang eines Klaviers und einem Akkordeon singt Bain: „Maybe I want to be free/ Maybe I don’t, subconsciously…“

Das Ganze ist durchwoben vom Einfluss großer Singer-Songwriterinnen: ein Hauch distanzierter Suzanne Vega hier, ein Hauch ohnmächtiger Sarah McLachlan dort. Im herausragenden Stück „Boyhood“ fangen wir Anklänge an Kate Bush’s „This Woman’s Work“ ein. Durch den pochenden Synthesizer seufzt Bain’s: „I wanna change, but it’s nothing new/ I should have jumped when you told me to.“ Die Beats prasseln tiefer, bis der Song sich in verschnörkelten Wolken elektronischer Musik zu verflüchtigen scheint. Mit dem zweiten Album tritt Bain noch weiter ins Licht, geboren aus mehreren großen Lebensereignissen. Eine der größten Veränderungen ist jedoch Bain’s Beziehung zu ihrer eigenen Stimme, die sie nicht mit Tricks in der Postproduktion verschleiert. 

Von ihrem bittersüßen Summen auf dem in goldene Stunden getauchten „Sunshine Baby“, den Indie-Pop-Anklängen von „Sad To Breathe“ oder der schieren Zerbrechlichkeit von „One For Sorrow, Two For Joni Jones“ – Bain hat noch nie klarer geklungen. „Boyhood“ fängt den nostalgischen Unterton des Albums perfekt ein, wobei Bain über die Unsicherheit des Aufwachsens als queere Person nachdenkt und darüber, wie ihre Kindheit sie seitdem geprägt hat: „I could have been somebody who/You wanted to have around to hold/I should have jumped when you told me to.“ Im Gegensatz dazu zieht sich „Morning Pages“ in glückliche Erinnerungen zurück und verleiht einem goldenen Morgen einen bittersüßen Glanz.

Bain hat eine Menge stimmungsvoller Balladen geschrieben, aber die auf „In The End It Always Does“ tendieren dazu, den Schwung zu dämpfen. Bain ist am besten, wenn sie einen Sinn für Verspieltheit an den Tag legt, ebenso subtil zwinkert wie weint und zwischen Humor und Schmerz hin und her schwankt.

7.7