The Hidden Cameras – Awoo

Indie PopIndie Rock, September 2006

„I’ve got 25 bucks can you save my reputation? Awoo/ Acting like nothing ever happened to me ever, awoo/ But if I covet and conform to my own rich qualities, awoo/ I’ll be working for my own, now at least I’ll know he loves me not, awoo. Oder auch: „When I enter the room/ I hear the chirp of a lark/ Mumbling in a whine my own melody line/ And if I sing to the wall I’d be killing them all/ Killing them all, killing them all“. Tötet Sie alle singt Joel Gibb’s wieder einmal zu unmisverständlich freundlichen Klängen. The Hidden Cameras, um das Geheimnis gleich vorneweg zu nehmen, und besonders natürlich der Herr an der Spitze liefern das bis hierhin beste Album in der langjährigen Geschichte Ihres „Gay Church Folk Pops“ ab. Es sind wieder die herrschenden Themen über die Homosexualität mit großangelegten Orchestrierungen und erfreulichem Retro-Indie-Pop, die ‚ Awoo ‚ so besonders erscheinen lassen.

Und natürlich haben die Hidden Cameras an Ihrer Musik überhaupt nichts geändert, Sie machen nur alles diesmal exakt so, wie sich die Vollendung in musikalischer Form wohl anfühlen muss. Die Armee hinter Joel Gibb steht gut bestückt mit breit geschwellter    Brust und gönnt sich nicht selten den Spaß, das Tempo einfach mal in Eigenregie zu erhöhen. Und weil Spontanität ja meistens recht gut beim Hörer ankommt, beginnen die Hidden Cameras damit unverblümt auf dem Opener ‚ Death Of A Tune ‚ und verzichten auch meist auf die bekannten Vers/ Chorus/ Vers/ Refrain Audio-Schriftarten aus ‚ Mississauga Goddam ‚. Warum Joel Gibb seinen Sommer Road Trip an den Nagel hängt? Wahrscheinlich ist die Notwendigkeit mit ‚ Awoo ‚ zu einer Anderen geworden, der Band Sound orientiert sich nun mehr an ein Studio Projekt, klingt aufgeräumter und in seiner Art übersichtlicher.

Ein Schritt der auf keinen Fall zu den falschen gehören sollte. The Hidden Cameras gleiten über das R.E.M orientierte ‚ Lollipop ‚ zu hymnischen Höhenfliegen in ‚ Fee Fie ‚ und landen schlussendlich wieder bei dem akustischen Stück ‚ She’s Gone ‚. Die starken Wurzeln von Joel Gibb in der amerikanischen Folk-Musik sind kaum zu übersehen, die Songs erzählen Geschichten im herkömmlichen Sinn und das, obwohl die Themen eher zu der ungewöhnlichen Sorte gehören. Dennoch verzweigen sich die Stücke in einer Weise, die trotz der vereinfachten Form berühren. Twee-Indie-Pop und treibende Soft-Rock Einlagen. The Hidden Cameras bleiben zum Trotz aller Bemühungen oder Anstrengungen abstoßend. Aber eben auf eine liebenswürdige Art. Und das wichtigste wenngleich es eigentlich nicht mehr erwähnt werden müsste, die Band um Joel Gibb bleibt auch auf ‚ Awoo ‚ unglaublich fröhlich und sorgenlos. „A guilty pleasure“ ist es somit im wahrsten Sinne des Wortes und eine unbändige Lust dazu, der es nun gilt den Kampf anzusagen.

8.1