The Gossip – Thats Not What I Heard

Classic AlbumsRock, Januar 2001

Das Beste zu Beginn. So oder so ähnlich lautet wohl das Motto des amerikanischen Trios um Sängerin Beth Ditto, die uns schon zu Anfang des jungen Jahres feinsten Lo-Fi Garage Rock um die Ohren knallen, dass es nur so scheppert. Vom einstigen Hörvermögen darf man sich getrost verabschieden, die Temperatur schnellen nach den ersten Takten zum Opener ‚ Swing Low ‚ in undefinierbare Höhen, sprengen jegliche Skalen und ritualisiert in sexuellen Emotionen ein ganz neues Gefühl der Tanzkunst. „Girl, I love you like no other. I’ll be your missus, your mistress… let me love you all night long“, heißt es so schön in ‚ Where The Girls Are ‚. Die eigenen Körperbewegungen spielen verrückt, bedienen sich unmöglich strukturierter Mittel und vermitteln unbewusst Sinnzusammenhänge, die es auf geistiger Ebene schlicht und ergreifend nicht zu verstehen gilt. Ja The Gossip beweisen in den knappen 24 Minuten verdammtes Standvermögen. Ziehen Ihre Sache konsequent durch und verlassen sich auf schüttelnde Riffs, drängende Rhythmen und hämmernde Drums im Sekundentakt.

Doch beschäftigt neben dieser Offenbarung des Punk-Evangelium auch der Gedanke, wer wohl zuerst da war: The Gossip oder The White Stripes? Beide Bands verfolgen den ähnlichen Stil. Gitarren jaulende, holpernde Schlagzeug-Geschepper mit dem glücklichen Verzicht auf Blümchen rosarotes Hippiegenudel donnern unbarmherzig auf den überrumpelten Hörer herein und vernichten Ihn ohne jeglichen Sinn für Reue. Doch um unnötige und oberflächliche Streit Themen dieser Art zu vermeiden sei gesagt, es mag zu Beginn danach klingen, aber spätestens ab der Hälfte von ‚ That’s Not What I Heard ‚ müsste der Unterschied jedem klar werden.The Gossip verzichten gänzlich auf Blueseinlagen und konzentrieren sich auf ungefilterten puren Garage Rock, der ebenfalls nach genauerem Hinhören gar nicht zwingend als Lo-Fi Sound bezeichnet werden muss.

Dafür wurde die Platte viel zu sauber produziert, sie poltert zwar und rotzt die Strophen nur so vor uns auf den dampfenden Asphalt, aber von einer dementsprechend billigen Produktion ist zu keiner Zeit etwas zu hören. Aber mit dem Label Kill Rock Stars, brauchte man schlussendlich auch gar nichts anderes erwarten. Simpel zusammen geschusterte Songs finden in knappen zwei Minuten das Ende und sollte sich einer dieser 14 Songs mal verlaufen haben – kein Problem, dann wird das Ganze trotzdem beendet. So ist das Leben eben bei den Gossip´s. Entweder man beeilt sich oder der Stecker wird gezogen. Insgesamt ist es ein herrlich kurzer Schnelldurchlauf in 24 Minuten voller Blut, Schweiß und Teer in der Lunge, das abschließend in einem wild um sich spritzenden Feuerwerk sein wohlverdientes Ende findet.

9.3