The Distillers – The Distillers

Classic AlbumsRock, April 2000

All die Leute da draussen, die schon seit langem der festen Ansicht waren Punk Rock sei tot, dürften nun im Jahr 2000 von den Distillers kräftig in den Arsch getreten werden. Pünktlich zum neuen Jahrtausend setzen die Vier Kalifornier rund um Sängerin Brody Dalle einen derart gutplatzierten Schlag an die Gehörgänge an, dass nach den knappen 41 Minuten nicht mehr viel davon übrig sein dürfte. Schnörkellos und auf Durchzug geschalten beginnt Ihr gleichnamiges Album ‚ The Distillers ‚ mit ‚ Oh Serena ‚. Das 2:32 Minuten kurze Stück lässt ab Sekunde Eins den Punk Rock neu aufleben. Dazu diese herrlich kratzend kaputte Stimme von Brody Dalle, die ohne Rücksicht auf Verluste im Zickzack durch die Strophen springt. Die großen Punk Bands wie den Sex Pistols, Clash, Sham 69 oder auch den Dead Boys mussten den Löffel abgeben, die guten alten Zeiten von damals sind Geschichte und die Bands aufgelöst.

Das es manche dieser Gruppen nicht wahr haben wollen und trotz Ihrer alten Tage wieder auf Tour gehen müssen, ist da leider nur der Nach-alte-Menschen riechende Beigeschmack der Ihnen anhaftet, wenn man nicht weiß wann der Zeitpunkt erreicht ist würdevoll in sein Grab zu steigen. Den Distillers dagegen liegen noch alle Wege offen, wenngleich nur einer in Frage kommen kann. Es muss der schnellste sein, in einem Wahnsinnstempo rasseln die Kalifornier die ersten fünf Songs runter wie Nichts, erreichen dabei aber stets die Zweieinhalb Minuten Marke. Natürlich darf man nicht erwarten etwas bahnbrechend Neues zu hören. Hier den Begriff Innovativ in den Raum zu knallen wäre ebenfalls zu weit gegriffen aber darum geht es auch gar nicht. Die Songs sind aufregend, inspirieren und zeigen schlicht und ergreifen das auch im 21. Jahrhundert der Punk Rock lebt und man damit immer noch große Erfolge feiern kann.

Zwar muss man fairer Weiße dazu sagen, dass ab ‚ Girl Fixer ‚ die Qualität der Songs nicht mehr so durchschlagskräftig und spritzig ist wie es noch die erste Hälfte vormachen konnte, aber mit ‚ The Blackest Years ‚ dann zu guter Letzt doch nochmal einen drauf setzen. Das 7 Minuten lange Stück teilt sich in zwei Songs auf, zum einen in den oben genannten und zum anderen in ‚ Young Girl ‚. Dieser ist bereits ein kleiner Vorgeschmack auf das bald erscheinende zweite Album der Distillers, der in leicht veränderter Form hier seinen Platz gefunden hat.

7.5