The Clash – London Calling

Classic AlbumsRock, Dezember 1979

Es gibt mit ehrlichen Worten gesprochen im Grunde nichts mehr, was nicht bereits irgendwann einmal über das dritte Studioalbum von The Clash geschrieben oder gesprochen wurde. Trotzdem gehört eine Rezension darüber ohne Zweifel auf jede gute Webseite mit musikalischen Anleihen. Wir fühlen uns angesprochen und zeigen euch nun nach der ausführlichen Biographie über The Clash, warum ausgerechnet ‚ London Calling ‚ bis in das Jahr 2010 und darüber hinaus immer präsent und nie vergessen war und sein wird. ‚ Give ‚Em Enough Rope ‚ war trotz der vielen ansprechenden Attribute, im Wesentlichen eine Warteschleife auf das kommende Doppel-Album ‚ London Calling ‚. Doch hier haben The Clash dann einen bemerkenswerten Schritt nach vorne hingelegt, unter Einbeziehung der Punk Ästhetik, der Rock’n’Roll Mythologie und der Roots-Music. Auf dem Artwork schwebt der Bass von Paul Simonon förmlich die letzten Sekunden in der Luft, bevor der harte Aufprall auch uns nach hinten katapultiert.

‚ London Calling ‚ ist das Produkt einer Rockband, die 1979 auf Ihrem kreativen Höhepunkt angekommen war. Eine emporsteigende und unfehlbare Hommage an pochende Gitarren und einer geräumigen Ideologie. Die Texte darauf greifen aktuelle Themen an, beziehen Stellung und sind das konzentrierte Wesen einer unvergleichlichen Inbrunst von The Clash. Der gleichnamige Opener besticht durch das Geheule von Strummer, während Jones druckvoll die Gitarre sprechen lässt und platzende Nägel kompromisslos in unsere Schädeldecke hämmert. Machtvoll und unerschrocken ist der Einstieg in das dritte Werk von The Clash mit Zeilen über nukleare Fehler und drohende Eiszeiten. Auch wenn das Album von Reggae und Dub inspiriert wurde, hier erlebte man im Jahr 1979 das erste Mal die gesammelte Wut des Punks und unsere stumme und ehrfürchtige Unterwerfung. In ‚ Jimmy Jazz ‚ schüttelt Strummer den Kopf über, „“young people shoot their days away, I’ve seen talent thrown away“, und wechselt im fünften Stück ‚ Rudie Can’t Fail ‚ das erste Mal in den Reggae.

Und was darf dazu gesagt werden? Niemand hätte diese Sache authentischer und stilvoller durchführen können, als The Clash persönlich. Sie nutzten Ihre große Fähigkeit und Ihren Einfluss auf ein sehr unterschiedliches musikalisches Spektrum, um den Kreuzungen mit anderen Musikstilen eine stetig neue Wendung zu verpassen. ‚ Rudie Can’t Fail ‚ ist eben dieses einzigartige Beispiel  zwischen Pop- und Soul Elementen inmitten des bestimmenden Reggae-Sounds. Textlich handelt das Stück über einen lebenslustigen jungen Mann, der für seine Unfähigkeit kritisiert wird, sich wie ein Erwachsener zu verhalten. Doch er antwortet ruhig darauf: „I know that my life make you nervous/ But I tell you I can’t live my life in service“. Der Halt an die Pop Tradition lösen The Clash mit feinen Melodien und einer rhythmischen und festen Songstruktur. ‚ Rudie Can’t Fail ‚ bleibt damit einer der bleibenden Höhepunkte auf ‚ London Calling ‚.

Explizit in die politische Richtung geht es in den beiden Songs ‚ Spanish Bombs ‚ und ‚ The Guns Of Brixton ‚ (letzterer geschrieben von Paul Simonon). Wenngleich auch hier die musikalischen Grenzen nur verschwommen dargestellt werden, befinden sich die Songs in einer revolutionären Schwerelosigkeit. ‚ Wrong ‚Em Boyo ‚ ist für mich das persönliche Highlight auf dem Album. Das Stück beginnt unvermittelt und erinnert mit dem tragischen Einstieg an eine Ballade. Doch der Eindruck ist eine klare Lüge. Äußerst beschwingt schaukeln sich The Clash durch einen farbenfrohen Song, nehmen dort ein Stückchen Ska und hier etwas von der Pop-Sensibilität und zaubern etwas atemberaubendes. Absoluter Höhepunkt aus meiner Sicht der Dinge nach 41 Jahren zwischen heute und der Veröffentlichung von ‚ London Calling ‚. Insgesamt ist das dritte Album ein dauerhaftes Testament und ein Stärkungsmittel für alles, was einem selbst als aussichtslos erscheinen mag.

Schlussendlich mag es als idealistisch und naiv wirken, doch das diese Art der Veränderung nochmals in der Musikgeschichte eintreten wird, halte ich für ausgeschlossen und übergebe die letzten wahren Worte an Joe Strummer: „This here music mash up the nation, this here music cause a sensation! Tell your ma, tell your pa, everything’s gonna be allright.”

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