The Chats – Get Fucked

Rock, August 2022
Leadsänger und Bassist Eamon Sandwith erwähnte, wie sehr Green Day ihn als jungen Musiker beeinflusst hat, und GET FUCKED von THE CHATS teilt eine ähnliche Energie für eine neue Generation.

Punkrock hat in letzter Zeit so etwas wie eine Renaissance erlebt. Die australische Musikszene floriert in letzter Zeit dank Künstler und Künstlerinnen wie King Gizzard, Amyl and The Sniffers und Courtney Barnett – und auch für The Chats aus Queensland scheint dies eine günstige Zeit zu sein. Der Frontmann der Chats, Eamon Sandwith, hatte einmal eine unwillkommene Begegnung mit einer Autoritätsperson. Er ist sauer, dass diese Uniform ihm wegen eines kleinen Verstoßes das Leben schwer macht. Diese Person ist „Got a bit of power, ain’t afraid to abuse it“, ihre „Only form of contact is intimidation“. „You can’t run from me“, knurrt der Sänger über ein zuckendes Riff hinweg, „I’m The Ticket Inspector“. Der Song heißt, in der unverblümten Art von The Chats, „Ticket Inspector“. Es geht buchstäblich darum, dass Eamon festgenommen wird, als er mit einem Kinderticket in den Zug steigt. Während seiner kurzen, scharfen Dauer ist „Get Fucked“ voller ähnlicher Geschichten.

Diese Platte ist schneller, wilder und direkter als alles, was The Chats zuvor gemacht haben. Der neue Gitarrist Josh Hardy hat eine Geschichte in Rockabilly-Bands und der abschließende Track „Get Better“ nimmt diesen Einfluss auf und folgt ihm, wobei die Gruppe ihr charakteristisches Chaos für einen kurzen Moment prahlerischer Zuversicht eintauscht. Dieses Selbstvertrauen wird in überzeugende Richtungen gelenkt, da The Chats gegen alle und jeden vorgehen, der versucht, die Wohlfühl-Party-Stimmung zu ruinieren. Diese Platte macht sich über Fahrkartenkontrolleure, Strandrassisten und Boy Racer lustig und lässt sie mit Gelächter gegen Jobs und Ignoranz kämpfen. Aber so sehr die Chats wie die Art von Band erscheinen, die gerne ein Stadion voller Guns N‘ Roses-Fans ködern würden, so finden sie es genauso toll, die strenge Pose zu untergraben. 

Ihre Songs beschäftigen sich so sehr mit den alltäglichen Ärgernissen des Lebens und klingen dabei so stolz unpoetisch, dass ihre Frustration und Aggression gar nicht anders klingen kann, als freudig und feierlich. Steckt hinter den Chats mehr als Rotz, Spucke und einer Zigarette? Ja, aber man muss schon zweimal hinschauen.

7.0