Tears for Fears – Everybody Loves a Happy Ending

PopRock, September 2014
EVERYBODY LOVES A HAPPY ENDING von TEARS FOR FEARS ist ein sehr gutes Comeback-Album von einer der talentiertesten britischen Pop-Rock-Bands der 1980er.

Nachdem sich Roland Orzabal und Curt Smith Ende der 90er getrennt hatten, sind die beiden Herrschaften nun nach knapp 15 Jahren wiedervereint. Wie kam es dazu? Orzabal veröffentlichte Mitte der 90er Jahre zwei Platten unter dem Namen Tears for Fears, aber die charakteristische Mischung der Band aus Hook-gefüllten Hymnen und Art-Pop-Exzessen schien dazu bestimmt, für immer auf dem Post-New-Wave-Friedhof der 80er zu verweilen. Dann kam der Film Donnie Darko, in dem der kalifornische Singer/Songwriter Gary Jules den Chartstürmer „Mad World“, den Hit der Band aus dem Jahr 1983, spielte. Das erneute Interesse an der Gruppe führte dazu, dass die Jungs bereit und willens waren, ihre Differenzen beizulegen und es noch einmal zu versuchen. Das daraus resultierende „Everybody Loves a Happy Ending“ zeigt gekonnt, warum dieses Interesse überhaupt da war.

Die Gruppe hat ihre Beatles-Fixierung immer auf der Zunge getragen, aber dieses Mal haben sich Orzabal und Smith daran gemacht, das größte Album zu schaffen, das die Vier nie veröffentlicht haben – eine Strategie, die, obwohl sie bewundernswert mutig ist, unweigerlich unter unerreichbaren Erwartungen leiden wird. Aber „Everybody Loves a Happy Ending“ macht sich gut, indem es eine überzeugende Mischung aus gigantischen Rhythmen, zuckersüßen Melodien und einer strukturierten Produktion bietet. Thematisch haben Orzabal und Smith „All You Need is Love“ leider ein paar Mal zu oft gehört und dabei Flower-Power-Texte übernommen, die liebenswert beginnen („All your love will shine on everyone“), dann erträglich werden („Throw your arms ‚around the world / Make love your destination‘) und schließlich auf der bescheidenen Seite von unentgeltlich landen (als Beispiel dient das vollständige „Killing With Kindness“).

„Who Killed Tangerine“ gräbt weiter in der Ader der Beatles und stellt jede gruselige Strophe einem Refrain gegenüber, der an „Hey Jude“ erinnert. Sie haben den erwachsenen zeitgenössischen Pop, der sich nach Smith’s Zeiten einzuschleichen begann, nicht aufgegeben – „Size of Sorrow“ und „Ladybird“ sind nett und unvergesslich – aber die dunkle, experimentelle Natur von Songs wie „Quiet Ones“ und „Devil“ kompensieren die gelegentliche Milde. „Everybody Loves a Happy Ending“ wird wenig dazu beitragen, diejenigen zu bekehren, die beim ersten Mal bei Orzabal und Smith’s übertriebener Produktion zusammenzuckten, aber treue Anhänger und Liebhaber kompliziert arrangierter und kunstvoll ausgeführter Popmusik werden sich von einem weiteren Kapitel dieser rätselhaften Gruppe entzückend verzehren lassen.

7.0