Sylvie Courvoisier & Mary Halvorson – Searching For The Disappeared Hour

Jazz, VÖ: Oktober 2021
Bei Duos dieser Art ist es immer gut, wenn zwei Köpfe wie einer zusammenhalten, und genau das bekommen wir hier mit SYLVIE COURVOISIER und MARY HALVORSON.

Auf „Searching for the Disappeared Hour“ kommen die Pianistin Sylvie Courvoisier und die Gitarristin Mary Halvorson zum zweiten Mal auf Platte in einer amorphen, sich ständig verändernden Musik zusammen, die ihre beiden unterschiedlichen Ansätze zu etwas Einzigartigem vereint. Die individuellen Klänge der Musikerinnen sind sehr komplementär, da Halvorson’s Schläge und Sturzflüge eng mit Courvoisier’s präzisen Noten verzahnt sind. Zusammen zeigen sie eine Verspieltheit, die in ihren Einzelarbeiten nicht oft zu hören ist. Ihr Spiel hat eine verträumte, desorientierte Oberfläche, die wie andersdimensionale Cocktailmusik klingt und oft Teile bekannter Themen einbettet.

Die ersten beiden Titel, Halvorson’s „Golden Proportion“ und Courvoisier’s „Lulu’s Second Theorem“, basieren beide auf komplexen, ineinandergreifenden Mustern, wobei das Klavier barocke Anklänge hat, die Fugen wie ein Uhrwerk wirken und die Gitarre wie ein eng gewickelter Draht federt. Tatsächlich greift die unendlich erfinderische Halvorson durchgehend in ihre Trickkiste und zaubert typische Effekte und Techniken hervor, die für eine gewisse Unvorhersehbarkeit sorgen. Mary Halvorson’s „Bent Yellow“ ist eine Ansammlung harmonischer Kopffälschungen; Gerade wenn man glaubt, das Lied gelöst zu haben, schlägt es in eine unerwartete neue Richtung und kehrt oft an die Stelle zurück, an der es zuvor verweilte. 

Die Zusammengehörigkeit bei all dem ist mehr als erstaunlich. „Gates & Passes“ verbindet Halvorson’s übliche harmonische Wendungen mit einem klugen Einsatz räumlicher Manipulation und lässt den Song an strategischen Punkten scheinbar kurz innehalten. Diese Platte ist eine Mischung aus düsterer Stimmung und grüblerischer Stille, gespickt mit grobkörnigen Geräuschen und Dramatik. Courvoisier und Halvorson haben eine Chemie, die in beiden etwas Neues hervorbringt. Die Geräusche, die sie hier machen, sind gleichzeitig vertraut und fremd. Dies ist eine absolut mitreißende und auf ihre eigene Weise wunderschöne Musiksitzung.

7.6