Susanne Sundfør – Ten Love Songs

ElectronicPop, VÖ: Februar 2015
Obwohl SUSANNE SUNDFØR’s tadellos gerenderte Texte ihre Glieder in alle Bereiche romantischer Möglichkeiten strecken, haben TEN LOVE SONGS immer noch etwas absolut Universelles.

Sie ist ein großer Star in ihrer Heimat Norwegen, aber es scheint, als würde der Rest der Welt etwas länger brauchen, um das Genie von Susanne Sundfør zu verstehen. Tatsächlich ist es unwahrscheinlich, dass viele Menschen außerhalb ihres Heimatlandes ihre drei vorherigen Alben mit brillant unkonventionellem Elektro-Pop kennen werden, trotz profilbildender Gastauftritte mit Künstlern wie M83, Röyksopp und Kleerup. Ob sich das mit der Veröffentlichung ihres vierten Albums „Ten Love Songs“ ändern wird, steht in den Sternen. Denn Sundfør ist im besten Sinne kein leichtes Hören. Sicher, sie hat sich auf das spezialisiert, was effektiv Popmusik ist, aber es klingt wie Popmusik, die von einem anderen Planeten hergebeamt wurde, mit einer erstaunlichen Anzahl von Ideen, die in die 10 Tracks des Albums gestopft sind. Und während sie perfekt darin ist, einen Euro-Pop-Banger wie „Kamikaze“ herauszubringen, wirft sie auch gerne eine 10-minütige quasi-klassische Ballade mit überraschend viel Kirchenorgelmusik ein.

Und hier haben wir es mit einem echten Monolithen zu tun: ein riesiges, 10-Minuten-Monstrum aus Graborgel, weinenden Streichern, abbaesischen Akkordwechseln, einem Text, in dem Sundfør behauptet, sie habe kaum „the cosmic war raging in the sky“ bemerkt, weil sie so verdammt traurig ist über den herzlosen Mann, der ihr Kleid ausgezogen hat, und dann – in fünf Minuten – ein Kammermusikabschnitt, der dreieinhalb Minuten dauert. „Memorial“ trägt also den passenden Titel: Es ist tränenreich, fast bis zur Selbstparodie, und doch absolut großartig. Die Rückkehr von Sundfør’s jetzt träger Stimme ist eine Überraschung, die das Epos zu einem mürrischen Abschluss bringt. Andere Tracks wie „Fade Away“ und das angesprochene „Kamikaze“ sind wahrscheinlich zwei der größten und besten Popsongs, die sie je geschrieben hat.

Mit jedem neuen Album verbessert Sundfør ihren Sound und verändert ihre Vorgehensweise leicht. Und jedes Mal wird es größer, die Bewegungen mutiger und das Endprodukt schöner. Trotzdem ist es immer noch Popmusik. Das Zentrum ihres musikalischen Universums ist und bleibt dabei ihre Stimme.

8.6