Sunflower Bean – Headful of Sugar

Auf HEADFUL OF SUGAR zeigen uns SUNFLOWER BEAN eine Welt, die keine Versprechen mehr geben kann. Während ihre Kunst aus dem jugendlichen Blick der Hilflosigkeit herausgewachsen ist, wechseln sie zu einer Perspektive, die in einem akuten Bewusstsein für zeitgenössische Dilemmata verwurzelt ist.

Fokussiert auf die Infragestellung von Beziehungen und Rollenbildern beim Erwachsenwerden in einer sich ständig verändernden Welt, fühlten wir uns sofort mit der nachdenklichen Angst und hilflosen Frustration verbunden, die uns erstmals in ihrer gefeierten zweiten LP „Twentytwo In Blue“ erreichte. Nur (und turbulente) vier Jahre später, im Gefolge des gesellschaftlichen Wandels durch die COVID-19-Pandemie, lässt Sunflower Bean diese Frustration nicht los. Auf „Headful Of Sugar“ präsentieren sie eine Welt, die keine Versprechen mehr geben kann, wobei Bassistin/Sängerin Julia Cummings sagt: “Tomorrow is not promised, no tour is promised, no popularity is promised, no health or money is promised.” Und wie zu erwarten war, haben Sunflower Bean in den letzten Jahren das Gefühl von Frieden nicht finden können: Das neue Album „Headful Of Sugar“ ist entsprechend voller Wut. 

“The TV makes me so mad / NPR is always telling me something bad / Everything made in a boardroom gets pumped straight into my head,” höhnt Sängerin Julia Cumming bei der trotzigen Punknummer „Baby Don’t Cry“. An anderer Stelle verspotten Sunflower Bean mit dem stimmungsvollen, bedrückenden Rock von „Roll The Dice“ die Gier der Unternehmen und singen: „Nothing in this life is really free / I just want to win.“ Es gibt neben dem Schatten, aber auch Licht und es gibt Hoffnung inmitten der gelegentlichen Atmosphäre dystopischer Dunkelheit, während die Band die Möglichkeiten von Rock und Pop erforscht und erweitert. Gitarrist und Co-Sänger Nick Kilven erklärt: “We wanted to write about the lived experience of late capitalism, how it feels every day, the mundanity of not knowing where every construct is supposed to ultimately lead you. The message is in the title: this is about fast pleasures, the sugar of life, the joy that comes with letting go of everything you thought mattered.”

„Post Love“ führt mit seinen offensichtlichen Anspielungen auf die frühe Disco erfolgreich ein weiteres Vermächtnis von NYC fort. Und auf „I Don’t Have Control Sometimes“, auf dem die Frontfrau Julia Cumming schrill und gehaucht klingt – kokett und doch souverän – folgt „Stand By Me“, das ihre tiefere Stimme noch mehr Reichweite verschafft und zu ähnlich atemberaubenden Effekten emporsteigt. „Headful of Sugar“ endet mit einem krachenden Höhepunkt: „Feel Somebody“ ist zweieinhalb Minuten pure Grunge-Freude. Auf „Twentytwo In Blue“ hatten Sunflower Bean Angst vor der Zukunft, aber „Headful Of Sugar“ zeigt die Band selbstbewusster und kontrollierter. Sunflower Bean sonnen sich in der Süße, das Leben in ihrem eigenen Tempo zu nehmen – Höhen und Tiefen seien verdammt.

7.9