Stereophonics – Scream Above the Sounds

Rock, Oktober 2017
SCREAM ABOVE THE SOUNDS von den STEREOPHONICS ist die frische, zeitgemäßere Interpretation eines Rockalbums einer Band, an die wir uns so gewöhnt haben.

Mit der Stärke des Stimmumfangs von Sänger Kelly Jones und einem wunderbaren Songwriting-Fähigkeiten wurden die Stereophonics nicht nur zu einer frischen neuen Generation von Bands, die in den frühen 00er Jahren aus Großbritannien kamen, sondern sind wegen des konstant hohen Standards an Material, das sie weiterhin schreiben, Fanfavoriten geblieben. Fast zwei Jahrzehnte später, hier im Jahr 2017, zeigt „Scream Above The Sounds“ keine Anzeichen dafür, dass die Band ihren Veröffentlichungszyklus in absehbarer Zeit verlangsamen wird. Auf „Scream Above the Sounds“ haben die Stereophonics nicht die lyrische Potenz ihrer früheren Inkarnation und gehen oft auf die Seite der großen Verallgemeinerung – so wie es der Weg ist, wenn man genug Leute ansprechen muss, um seine nächste Arenatour zu füllen. Aber Frontmann Kelly Jones hat eine der verdammt besten Stimmen im Rock’n’Roll, und das ist sicherlich den Eintrittspreis an sich wert. 

Und egal, ob man bei Stadionrock die Nase rümpft oder nicht, die Stereophonics kennen sich in diesem Genre besser aus als jeder andere, wie das weinerliche „What’s All The Fuss All About“ und das kolossale „Caught By The Wind“ bezeugen können. Glücklicherweise werden sie von ambitionierteren Songs wie „All In One Night“, einer packenden Erzählung von Romantik und Gewalt, und „What’s All The Fuss About?“, einem Strudel sinnlicher Sehnsucht durchsetzt, in dessen Mitte eine einsame berauschende Mariachi-Trompete steht. Später dämpft Jones den Sound, um sich jugendlichen Erinnerungen hinzugeben, und begleitet sich bei „Boy On A Bike“ nur mit Akustikgitarre und bei „Before Everyone Knew Our Name“, einer berührenden Hommage an den verstorbenen Freund und ehemaligen Bandkollegen Stuart Cable, nur am Klavier. 

Zurückblicken, um vorwärts zu gehen. Diese neue Veröffentlichung der Stereophonics fühlt sich ein bisschen an, als wäre man mit einem alten Freund wiedervereint, und man merkt, dass man viel aufzuholen hat. Die Klänge dieser Platte erinnern einfach gesagt an die Qualität der Stereophonics als Band und zeigt die Reife, die sie nach so langer Spielzeit erreicht haben.

6.9