Stereophonics – Language. Sex. Violence. Other?

Rock, VÖ: März 2005
LANGUAGE. SEX. VIOLENCE. OTHER? zeigt uns die STEREOPHONICS sexy, wütend, hungrig, fokussiert und (im Allgemeinen) intelligent. Und, Wunder über alle Wunder, man darf dieses Mal beinahe das gesamte Album verdammt gut finden.

Erneuerte Energie und positive Bestätigung ziehen sich durch das ganze neue Album der Stereophonics. „Language. Sex. Violence. Other?“ mag vielleicht nicht jedermanns Geschmack sein, doch ist es viel besser als die bisherigen Alben der Band, die von Kritikern wegen ihrer Fadheit und Mittelmäßigkeit verrissen wurden. In der begleitenden Pressemitteilung behauptet Richard Jones: „We put the spliff away for this one“ wobei Kelly Jones zustimmt und hinzufügt: „This one was recorded with a lot more energy.“ Und der Frontmann mit den buschigen Augenbrauen hat Recht, es ist sicherlich viel energischer, aber ein Richtungswechsel? Nun, es ist schwer zu sagen, ob die stark auf Pro Tooling basierende Produktion als Änderung zählt. Diese Art von Manöver könnte, insbesondere angesichts der lauwarmen kritischen Aufnahme, die „You Gotta Go There To Come Back“ zuteil wurde, als ein Versuch der Stereophonics angesehen werden, sich ihren Weg ins 21. Jahrhundert zu bahnen.

Versuch geglückt. Denn „Language. Sex. Violence. Other?“ ist eine exzellente moderne Rock-Platte. Dicht, intelligent, zugänglich und herausfordernd. Es gibt auch keine sanfte Lockerung. „Superman“ ist schrill und gallig. Eine Eröffnungszeile mit “You don’t know what it’s been like/Meeting someone like you” ist der Wegweiser zu hässlichen Gitarren-Slashes und einem gequälten Falsett, die wie selbstverständlich ihren Platz einnehmen und dabei einfach nur fantastisch klingen. „Doorman“ ist ein verzerrtes halbes Echo der „Phonics of Old“, bei dem Jones sich in einen schwerfälligen Türstock legt. Aber wo sie früher ihre Erzfeinde mit rotznasigem Gejammer beschimpften, macht die Band hier einen unheiligen, trashigen Lärm und lädt das titelgebende Sicherheitspersonal zu „Suck my banana/With cream“ ein. Man versuche zuzuhören, ohne das Bedürfnis zu verspüren, jemandem die Hölle heiß machen zu müssen.

Die Musik mag belebt und frisch wirken, aber textlich sind die üblichen Zutaten alle vorhanden, korrekt und unverdaulich wie eh und je. Es gibt ein Lied über einen Portier namens Doorman und einen spektakulären Moment, in dem Jones einen tadelnden Ton anschlägt und „You got your hair in a haircut“ brüllt – vermutlich im Gegensatz zu einem Rucksack oder einer Keksdose. Es gibt Bilder, die förmlich dazu auffordern, sie mit Rotstift zu unterstreichen und Fragezeichen an den Rand des CD-Booklets zu schreiben: Ein Protagonist wird verblüffenderweise als „like Jesus on an aeroplane“ beschrieben. Und in der großen Tradition von „Mr. Writer“ gibt es Zeilen, die scheinbar in eine Fremdsprache und dann wieder zurück ins Englische umgewandelt wurden, indem eine dieser wackeligen Internet-Übersetzungsseiten verwendet wurde: „Don’t waste your time you can’t make back“, „Did you pick what you are told is right?“, „You wanna screwdriver too now, I hear it’s fun on“.

„Language. Sex. Violence. Other?“ ist ein besseres Album, als irgendjemand erwartet hätte. Vielleicht hat uns Kelly die ganze Zeit über mit all dieser handwerklichen Robustheit getäuscht, vielleicht war alles die Schuld von Stuart Cable, vielleicht wird 2005 eine Zeit der Wunder und vielleicht wird aus den Walisern jetzt endlich die große Band, die die Stereophonics schon immer sein wollten.

7.6