Stars – The North

Indie PopPopSynth Pop, Oktober 2012

Man fühlt sich geehrt, diese phantastische Band auf Ihrer Tournee durch Deutschland präsentieren zu dürfen. Die Stars aus Kanada haben dazu auch ein neues Album im Gepäck und tanzen darin zu Synthesizern und brennenden Lichterquellen. Es ist zugleich eine minimale Modifizierung gegenüber den letzten Platten, die subtile Verträumtheiten in elektronisch-angehauchte Indie-Pop Songs vereinten. Mit ‚ The North ‚ erscheint nun also das sechste Studioalbum und hinterlässt mit dem Eröffnungsstück ‚ The Theory Of Relativity ‚ den eingängigsten Eindruck aller bisherigen Songs der Stars. Schwirrende Wirbelstürme und sprudelnde Synthies zu einer hämmernden Drum-Machine schießen den Song in einen stilvollen New-Wave-Impuls, der glücklicherweise sehr zurückhaltend jede Form der lästigen Trend-Anbiederung vermeidet. Lieblich geht es mit dem zweiten Track ‚ Backlines ‚ weiter, während das gleichnamige Titelstück ungezwungen in die Nostalgie eintaucht und den Rückblick auf die erste Hälfte Ihrer Karriere erleuchtet. Womöglich ein wenig zu seicht, doch den Sprung in die Gegenwart schaffen die Stars im Folgenden mit ‚ Hold On When You Get Love And Let ‚ mühelos und begeistern hier mit einer hellen Hymne aus fröstelnder Elektronik, glänzenden Gitarren und einem donnernden Schlagzeug. Auch textlich halten sich die Absichten von Torquil Campbell in einfachen Bereichen auf, erzählen ungemein skurill über romantische Abenteuer und erreichen damit eine deutliche Veränderung gegenüber den letzten Veröffentlichungen, bei denen Campbell fast an seiner überschwänglichen Feierlichkeit drohte daran zu ersticken. “Do You Want To Die Together”, heißt es im Stil der 50er Jahre und auf einmal taucht in meinem Kopf erneut die Frage auf, weshalb die Stars noch immer zu den bestgehütetsten Geheimnissen zählen. Jeder Ihrer zwölf neuen Songs hält seinen unverkennbaren Teil in den Händen und zeigt außerdem einen ausgesprochenen kooperativen Ansatz zwischen den Bandmitgliedern. „This is the five of us attacking each song and turning it into something that is all of ours,“ so die Worte von Sängerin Amy Millan. ‚ A Song Is A Weapong ‚ mit Anleihen zu Woody Guthrie verlässt daraufhin kurz die Wege Ihrer durchziehenden Romanzen und auch die zentralen Themen der Politik wurden auf dem neuen Werk aufgegriffen: „The title of the record is about an idea of the north that is being torn apart by Harper’s (Canada’s Prime Minister) corporate greed. It’s also a nod both to where we are from and the kind of music that has influenced us.” Am Ende ist das neue Werk besonders durch seine Zielstrebigkeit so hörenswert. Diese bietet Platz für Experimente, Verspieltheit und hinterlässt zugleich eine sympathische Note der Desorientierung in den Stars zurück. Wohin wird die weitere Reise gehen? Wir wissen es nicht, aber mit der jugendlichen Unsterblichkeit der Kanadier werden wir es sicherlich schon bald herausfinden.

7.0