St. Vincent – St. Vincent

Pop, VÖ: Februar 2014
ST. VINCENT ist die bislang dichteste, spannungsgeladenste und beste Songsammlung von ANNIE CLARKE, mit ironischen, kurvenreichen Beats, die ihre liebenswerten, störrischen Melodien zu zermürbenden Enthüllungen treiben.

Annie Clark’s kühnes und fast irritierend selbstbewusstes viertes Album „St. Vincent“, klingt nicht so, als wäre es hier auf der Erde aufgenommen worden. Seine Lieder sprießen aus ihren eigenen seltsamen, verschnörkelten Lebensformen und werden von unbekannten Gesetzen der Schwerkraft beherrscht. Auf Track Nummer 5 namens „Digital Witness“ singt sie: „If I can’t show it, you can’t see me“, zu einer verzerrten 80er-Jahre-R&B-Begleitung, der durch das seltsam dichte, klaustrophobische Hornarrangement ein Hauch von Unbehagen verliehen wird. „What’s the point of doing anything?“ Es ist eine Satire auf das Bedürfnis der Facebook-Generation, ihr Leben zu dokumentieren und darzustellen, eine digitale Aktualisierung von Ray Davies‘ alter Andeutung, dass Menschen sich gegenseitig fotografieren, nur um zu beweisen, dass sie wirklich existieren. 

Aber es könnte auch die Werbekampagne dieses Albums beschreiben, in der Clark praktisch überall auftauchte und so ziemlich alles tat. Sie trat bei einer Modenschau anlässlich des 40-jährigen Jubiläums von Diane von Furstenburg auf, bei der sie sang, eine Version ihres Kleides modellierte und der versammelten Presse erzählte, dass ihre Stilikone Albert Einstein sei, was zumindest einigermaßen die jüngste radikale Veränderung in der Haarabteilung erklärt. Sie hat sich als Komikerin versucht und in einer US-TV-Show eine Ein-Stern-Amazon-Rezension über „Sgt. Pepper“ von den Beatles vorgelesen. Unterdessen hat Clark auf der Teenager-Website „Rookie“ ihre fußballerischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt und ihrem jungen Publikum als große Schwester den Rat gegeben: „You can master things with enough time and effort.“ 

Das alles unterstreicht das Bild von Clark als Universalgelehrte: einer Frau, die auf ihrem Debüt „Marry Me“ aus dem Jahr 2007 dreizehn verschiedene Instrumente zugeschrieben werden. „St. Vincent“ ist voller interessanter, passend verzerrter elektronischer Klangfarben. Summen, Surren und Piepen begleiten das Album und kreieren einfache, aber zufriedenstellende Beats und eingängige Gitarrenriffs. Darüber hinaus prägen Anne Clark’s unverwechselbare Gesangsmelodien das gesamte Album. Dieses Album ist voll von Isolation, dunklem Hunger, Bedauern und sogar dem Tod. Aber die spielerische Art und Weise, wie diese Songs sich verzerren, lässt den Schmerz wie eine Party wirken.

8.8