St. Vincent – Actor

Indie Pop, VÖ: Mai 2009
Zwischen den organischen und künstlichen Klängen von ACTOR verschmilzt die Stimme von ST. VINCENT die beiden gegensätzlichen Stile zu einem göttlich angenehmen Erlebnis.

Annie Clark’s zweites Album als St. Vincent setzt die lebendige Frühreife ihres ersten Albums fort und zeigt eine grenzenlose, verblüffende Kreativität, die immer wieder für Überraschungen sorgt. Clark zitiert bezeichnenderweise Prince als Einfluss, was zunächst seltsam erscheint, aber das Ohr des Albums für seinen tief strukturierten Sound, seine fantasievolle Unruhe und die Fähigkeit, den Fokus im Handumdrehen zu ändern, fesselt. Die Lieder auf „Actor“ werden hauptsächlich aus der Perspektive von Frauen gesungen, die sich in ihrem sicheren, geordneten Leben erstickt und unruhig fühlen. Ihre Charaktere machen sich Sorgen um das Urteil von Nachbarn und Fremden, kämpfen mit Langeweile und Selbstgefälligkeit, versuchen, ihre Wut zu sublimieren oder zu entschärfen, und träumen in einer der düstersten Auswahlen des Albums davon, völlig in einer neuen Identität zu verschwinden. 

Ihre Texte sind mitfühlende Beobachtungen, die mit einer klaren, sparsamen Sprache wiedergegeben werden, die sich auf einen bestimmten Moment des Konflikts oder der Offenbarung konzentriert und gelegentlich durch selbstironische Nebenbemerkungen und subtilen Humor unterlegt wird. Selbst wenn die Musik am dramatischsten ist, wenn Lieder aus der ruhigen, Disney-artigen Streicherbegleitung in schroffe, verzerrte Gitarrenpassagen übergehen, vergräbt Clark konsequent die Ängste ihrer Charaktere unter Schichten von Verleugnung, Stoizismus und Unterwürfigkeit gegenüber den Wünschen anderer. Der Ton der Aufnahmen gibt die Nuancen dieser bewusst gedämpften Emotionen mit unheimlicher Genauigkeit wieder, das Ergebnis ist jedoch nicht übermäßig freundlich oder rührend. 

Im Gegenteil, Clark’s Kompositionen konzentrieren sich auf präzise Stimmungsschwankungen und konkretisieren komplexe innere Welten für die Frauen, die in ihren Texten angedeutet werden. Ihre Stimme wirkt klein und zerbrechlich, aber es ist ihr effektivstes Instrument, und sie bildet einen festen Dreh- und Angelpunkt zu den weitreichenden kreativen Themen des Albums und lässt es mit gespenstischer Eleganz glänzen.

7.9