Squirrel Flower – Planet (I)

Indie Rock, Juli 2021
Wo das Debüt im Jahr 2020 von SQUIRREL FLOWER in seiner Launenhaftigkeit fast himmlisch schien, ist PLANET (I) verwurzelt und entschieden erdgebunden.

Auf ihrem zweiten Album als Squirrel Flower stürzt sich die in Boston geborene Ella O’Connor Williams in ein Gefühlschaos, vertreibt Dämonen und reitet den Sturm mit einem quecksilbernen Sinn für Neugier. Wenn es ihr Ziel war, einen einzigartigen Planeten aus verschwommenen Folk- und Fuzzy-Rock-Songs zu erschaffen, dann ist Williams das weitgehend gelungen. Ihr neuestes Album ist eine verschwommene Erinnerung an eine bestimmte Zeit und einen bestimmten Ort, gefüllt gleichermaßen mit klaren Erinnerungen an die Vergangenheit und gedämpften Überlegungen darüber, was hätte sein können. In den meisten Fällen ist „Planet (I)“ ein solider Soundtrack für alle, die nach einer alten Beziehung oder einem aufregenden Sommer in Nostalgie versinken möchten.

Das packende „Hurt a Fly“ plätschert vor Elektrizität und Licht, während Songs wie „Roadkill“ und das weitläufige „Night“ die Schwerkraft wie aus tiefen Mineralvorkommen und Steinen hervorbringen. Einige der Tracks sind jedoch ziemlich sanft und tragen eine wollige Traurigkeit, die ziemlich ergreifend ist. „I saw a hummingbird face down in the water“, singt Williams in einem luftigen Halbflüstern und erfüllt das schöne „Deluge in the South“ mit herzzerreißenden Bildern. Das spärliche „Desert Wildflowers“ hingegen ist in seinem unheimlichen Auftrieb ruhig und trotzig. Die stärkste Eigenschaft von „Planet (I)“ ist der Sinn für die Natur. In Zeilen über Glühwürmchen, die Sonne, die jemandem in die Augen brennt, und wilde Gewitter, kann man im Vordergrund dieses Albums praktisch den Wechsel der Jahreszeiten vom Frühling zum Sommer förmlich greifen. 

Diese Themen tauchen deutlich in den Texten auf, aber Williams blüht darin auf, die verschwitzte Aura auch in der Instrumentierung zum Ausdruck zu bringen. Williams benannte das Album nach einem fiktiven Planeten, auf den die Menschen nach der Zerstörung der Erde schließlich umziehen werden. Es ist eine neue Welt, die wir als Zufluchtsort sehen werden, die aber letztendlich das gleiche Ergebnis haben wird wie unser jetziges Zuhause – werden wir jemals aus unseren Fehlern lernen? Williams passt genau in die Riege der KünstlerInnen, die sich mit dieser Frage beschäftigen, von Weyes Blood bis zu The Weather Station. Wie das Debüt von Squirrel Flower ist auch „Planet (I)“ eine Reise durch eine sich ständig verändernde Landschaft und markiert einen spürbaren kreativen Schritt nach vorne.

7.7