Soko – I Thought I Was An Alien

Rock, Oktober 2012

Es seltsam aussehendes Wesen, manche würden es wohl als Alien bezeichnen, blickt uns hier vom Artwork an – menschliche Gesichtszüge lassen sich nicht leugnen. Es dieses Ding am Ende das innere Spiegelbild von SoKo, oder nur der beste Freund/die beste Freundin? Also von Stephanie Sokolinski, die selbst auf Fragen nach Ihrem Musikstil antwortet, nur „vertonte Punk-Geheimnisse zu erzählen“. Eine schwierige Frage, vielleicht will die in Bordeaux geborene Folkrock-Rrrriogirl aber auch nur für Verwirrung stiften. Denn Ihre Musik ist alles andere als von einem anderen Planeten. Es sind sommerliche und leicht psychedelische Klänge, unter die sich der herzbrechende Gesang von Soko mischt. ‚ I Thought I Was An Alien ‚ handelt von den Schmerzen der Liebe, dem Verlust dem Alleinsein. Es beschäftigt sich mit der Einsamkeit, den Gründen dafür. „Im Grunde ist alles, was ich tue, mich auf meiner Gitarre ausheulen,“ erklärte dazu eine lächelnde SoKo. Sie hat sich Ihre Gedanken von der Seele geschrieben und genau deshalb versprühen die Songs eine fast schon unfreiwillige Feierlichkeit. Summend ziehen im Stück ‚ First Love Never Die ‚ die Gitarren an unseren Ohren vorbei und offenbaren eine ganz erstaunliche Kraft. “I feel like walking, do you feel like coming? I feel like talking cause, it’s been a long time”, heißt es und erzählt die Geschichte von zwei wiedervereinten Menschen, deren zugrunde liegenden Gefühle sich nicht geändert haben, „something has changed, you’re almost a man, four years and i still cry sometimes, first love never die“. Mitschwingende und leicht hallende Gitarrenriffs hören wir in der zweiten Albumhälfte im außergewöhnlichen Stück ‚ Don’t You Touch Me ‚. Die Stimme von SoKo beginnt als zarte Knospe und verwandelt sich sehr plötzlich in einen knallenden Felsen, angetrieben durch schwere Trommelschläge ist der gegenseitige Aufprall gigantisch. Auf gesamte Sicht gesehen ist ‚ Don’t You Touch Me ‚ die eindrucksvollste Darstellung von Wut und Schock über die ungewollte Berührung Ihres Mannes. Zusammen mit Produzent Fritz Michaud (Elliott Smith) wurde das Album in acht Monaten produziert und aufgenommen. „Nur mit einem Laptop und einem paar riesigen Lautsprecherboxen. So haben wir es fertiggestellt“. Ihre Einflüsse waren dabei Roy Harper, Michael Hurley, Davey Graham und Karen Dalton. Die goldenen Sixties also. ‚ Destruction Of The Disgusting Ugly Hate ‚ ist wie ein bitter-süßer Cocktail aus Emotionen und geistreichen Lyrics. Zwar wird man am Ende des Albums durch die zahlreich gescheiterten Beziehungen traumatisiert sein – aber diese Erfahrung hat sich gelohnt. ‚ I Thought I Was An Alien ‚ ist die Aufarbeitung einer jungen Künstlerin auf dem unbeschwerten Weg nach ganz oben.

7.0