Socalled – Ghettoblaster

ElectronicHipHop/Rap, September 2007

„Beim HipHop dreht sich alles um den Break, den kleinen Moment, wenn alles zusammenbricht bis auf das kleine funky Ding, das da noch passiert. Und genau diese Sachen sucht man ja immer zum Samplen. Ganz zufällig, als ich mir so eine jiddische Theaterplatte von Aaron Lebedeff anhörte, fiel mir auf: jeder Song hat zwischen den Strophen so einen Break, so eine vertrackte kleine Melodie, wie man sie immer sucht. Das ganze Album war voll davon.“ Die gelesenen Zeilen stammen von Josh Dolgin a.k.a. Socalled. Er ist Musiker, DJ, Produzent, Arrangeur, Filmemacher, Fotograf und Cartoonist. Und ein wenig Zauberei ist auch dabei. Doch heute steht seine Musik im Vordergrund: jidische Volksmusik in Kobination mit HipHop-Beats. Kann das funktionieren? Oh ja. Überraschend gut wie sich nach dem Album ‚ Ghettoblaster ‚ herausstellen sollte. Das gesamte Album springt, besonders in ‚ (These Are The) Good Old Days ‚, durch eine wilde Mischung aus Hörner, Akkordeon und Beats über organisches Händeklatschen und synthetische Drum-Maschines. Der Track beginnt mit den Worten: “My God’s gonna kick your God’s ass / You’re too dumb and I’m the head of the class”, gefolgt von einem James Brown-typischen Einzähler. Das Stück verbindet Elemente der Violine, dezentes Händeklatschen und Texte zwischen einer abwechselnd fröhlich und zynischen Sicht auf die Gesellschaft wie sie heute existiert, auf Technik und die Interaktion von Mensch gegen Maschine. Das nächste Stück ‚ Let ’s Get Wet ‚ ist die Fusion im reinsten Sinne des Wortes. Hörner schmettern sinnliche Melodien in die traditionelle jüdische Klezmer und den würzig amerikanischen Jazz. Hier bietet wirklich jeder Song etwas neues für die Ohren. Josh Dolgin achtet penibel auf die Sensibilität, verbindet die Musikrichtungen fein säuberlich, leistet sich in den Übergangen elementare Wortspiele und glänzt in ‚ You Are Never Alone ‚, dem Suchtfaktor in ‚ Ghettoblaster ‚ mit schrulligen Stichproben im jüdischen Gewand: „Frankly, there’s nothing so unusual about being a Jewish cowboy”. Während die traditionelle Musik einen wichtigen Bestandteil auf dem Album darstellt, dienen auch mehrere moderne Elemente der jüdischen Musikgeschichte der Sache. Das nachdenkliche Klavierstück ‚ Slaughter on 10th Avenue ‚ wurde von Richard Rodgers im Jahr 1922 geschrieben und so bündelt das Album am Ende die historischen wie auch modernen Disziplinen und Stile. ‚ Ghettoblaster ‚ ist ein herausragendes Werk, bietet vielschichtige Fusionen, wahre Leidenschaft und zerfließende Grenzen von jüdischer Musik und eingängigen Hip Hop Beats.

8.6