Slow Pulp – Yard

Indie Rock, VÖ: Oktober 2023
Thematisch beschäftigen sich SLOW PULP auf ihrem neuen Album YARD mit der Art und Weise, wie Menschen im Guten wie im Schlechten in das Leben des anderen hineindriften können.

Wenn etwas einmal funktioniert, warum nicht noch einmal versuchen? Das scheint die Philosophie hinter „Yard“ zu sein, dem zweiten Album der Chicagoer Indie-Band Slow Pulp. Ihr Debüt „Moveys“ aus dem Jahr 2020 wurde aufgrund der Einschränkungen durch COVID, der chronischen Lyme-Borreliose der Sängerin Emily Massey und eines unerwarteten Autounfalls separat aufgenommen. Diese Isolation führte jedoch zu einigen der wichtigsten Arbeiten der Band und baute einen üppigen Klangnebel auf, der an Soccer Mommy und Alex G erinnerte. Massey nahm Gesang mit ihrem Vater Michael in seinem Heimstudio auf, und der Prozess funktionierte so gut, dass Slow Pulp erneut mit ihm zusammen arbeiteten.

In ähnlicher Weise dürften Fans von „Moveys“ viele der gleichen Akzente erkennen, die sich durch das zweite Album ziehen. Eine Vorliebe für verträumte Melodien, sehnsuchtsvolles Songwriting und an Shoegaze erinnernde Gitarren zeigen sich, wiederum umhüllt von einem gemütlichen, sonnendurchfluteten Dunst. Es fühlt sich an, als würde die Band mit vielen der gleichen Bausteine arbeiten, doch das Endergebnis übertrifft den Vorgänger um Längen. Die Produktion ist vielschichtiger, die Hooks eindringlicher, die Instrumentierung magnetischer und das Songwriting abenteuerlicher.

Die zufriedenstellende Aufteilung auf zehn Tracks unterschiedlicher Länge sorgt für ein flüssiges Hörerlebnis, das es sie weder in die Länge zieht noch langweilt. Es ist ihre Fähigkeit, langsame Rocksongs wie „Slugs“ zu machen, die beim ersten Hören vielleicht entspannt und träge klingen, aber das ist genau der Trick von Slow Pulp. Im Raum zwischen Emily Massey’s Gesang und den Klängen von Henry Stoehr’s Begleitgitarren steckt viel emotionale Ehrlichkeit und melodisches Genie. Dieser Faden der Nostalgie zieht sich durch ihre gesamte Musik.

Während die erste Hälfte Massey’s Verletzlichkeit aufdeckt, sucht sie in der zweiten Hälfte Trost in Selbstakzeptanz. „Sink and swim and/Sink it all again/I’ve gotta keep yourself this time“, singt sie auf dem sanften „Fishes“, einem Lied darüber, wie man in der Einsamkeit Zufriedenheit findet. Auf einem Album über die Suche nach Liebe und Vertrauen in andere passt es, dass sie es am Ende in sich selbst findet.

8.0